DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN von Aritz Moreno


Gemeinsam mit der Zugreisenden Helga geraten die Filmzuschauer:innen in einen Strudel haarsträubender, ineinander verschachtelter Geschichten, über denen immer dieselbe Frage schwebt: Wahrheit oder Lüge?

Durch das Spiel mit Schein und Wirklichkeit reiht sich DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN, der auf dem Roman des spanischen Schriftstellers und Philologen Antonio Orejudo beruht, in eine lange spanische Tradition ein. Schon die Autor:innen des Goldenen Zeitalters der spanischen Literatur im 16. und 17. Jahrhundert spielten mit engaño und desengaño, der Täuschung und ihrer Enthüllung.

Der baskische Regisseur Aritz Moreno, den Variety 2013 zu einem der aufstrebenden Talente des spanischen Kinos erklärte, setzt in seinem ersten Langfilm neben literarischen auch auf filmische Referenzen wie etwa Luis Buñuels EIN ANDALUSISCHER HUND und andere surrealistische Filme. Auch an MAGNOLIA oder FIGHT CLUB dürften sich einige Filmzuschauer:innen erinnert fühlen. Die Bildsprache erinnert an Wes Andersons Filmästhetik, mitunter auch an Frida Kahlos Kunst.

Dabei ist DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN nichts für zarte Gemüter. Zahlreiche Obsessionen und Perversionen fanden Eingang in den Film. Besonders die Geschichte, in der Hunde eine tragende Rolle spielen, dürfte zartbesaiteten Filmzuschauer:innen noch lange im Gedächtnis bleiben.

Mit DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN war Moreno 2020 für vier Goyas nominiert, ging allerdings leer aus. Seine Weltpremiere feierte der Film im Oktober 2019 auf dem Sitges Film Festival, das international als bedeutendes Festival des fantastischen Films gilt. DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN fühlt sich mit seinen knapp über 100 Filmminuten an wie ein skurriler Trip durch einen Genremix aus Komödie, Horrorfilm und Thriller – eine raubeinige, rabenschwarze Parabel auf die Fiktion und das Erzählen.

Stefanie Borowsky

DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN (OT: VENTAJAS DE VIAJAR EN TREN), Regie: Aritz Moreno, Darsteller: Luis Tosar, Pilar Castro, Ernesto Alterio, Quim Gutiérrez, Bélen Cuesta, ab 18. Dezember 2020 Digital als EST und ab dem 14. Januar 2021 auf DVD und als tVoD

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7. Dezember 2020 | In Allgemein

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