„Load“ von Niv Shpigel and Robert Moreno (Dez 16)


"Load" von Niv Shpigel und Robert Moreno ist unser Open Screening Kurfilm des Monats Dezember.

Load“ von Niv Shpigel und Robert Moreno ist unser Open Screening Kurfilm des Monats Dezember.

An jedem dritten Mittwoch im Monat können Filmemacher ihre Kurzfilme – ohne Anmeldung, ohne Vorauswahl, ohne Jury – beim Open Screening im Sputnik Kino Kreuzberg präsentieren und jeweils nach der Vorführung mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Unerwünschte Inhalte können vom Publikum mit mehrheitlich gezogener roter Karte gestoppt werden. Das Ganze ist somit so etwas wie ein Filmfestival ohne Netz und doppelten Boden, bei dem ausschließlich Filmemacher und Publikum entscheiden, was gezeigt wird.

berliner-filmfestivals.de präsentiert euch einmal im Monat einen von den Veranstaltern ausgewählten Beitrag der letzen Open Screening-Ausgaben mit einem Interview. Bei uns erfahrt ihr mehr über die Macher der Filme und ihre Pläne. Nach Easy“ von Toby Wulff im September und Käfer in Schachteln“ von Wojtek Skowron im November, präsentieren wir euch im Dezember den Animationsfilm „Load“ von Niv Shpigel und Robert Moreno.

Viel Vergnügen beim Interview mit Regisseur Niv Shpigel und seinem Kurzfilm…

b4fc53_ea2f93e767214105b3f12155975cae43Niv, worum geht es in eurem Film?
Der Film handelt von den „Päckchen“, die jeder mit sich herumträgt. In welchem Ausmaß sollten wir uns mit Vergangenem belasten? Auch wenn die Vergangenheit uns als Bestätigung für das Leben, das wir hatten, dient, kann sie doch auch eine große Last sein.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Uns beide hat der Umgang mit der eigenen Vergangenheit sehr beschäftigt. Das Machen dieses Films war sozusagen eine kreative Verarbeitung des Themas durch die wir versucht haben, Antworten zu finden. Es war unser Abschlussprojekt an der Bezalel, der Akademie für Kunst und Design in Jerusalem.

Wie habt Ihr den Film gemacht?
Der Film wurde Frame für Frame am Computer digital handgezeichnet und mit digital gezeichneten Hintergründen zusammengefügt. Er beinhaltet allein für den Hauptcharakter mehr als 1.000 Zeichnungen. In einigen Szenen haben wir 3D-Elemente hinzugefügt, um eine Anmutung von Tiefe zu erzeugen oder um schwierig zu zeichnende Objekte – zum Beispiel Wasser – besser umsetzen zu können. Um das dynamische Licht auf die Figur zu bekommen, haben wir es ebenfalls Frame für Frame animiert und es später mit verschiedenen Effekten, die darauf angewendet wurden, zusammengesetzt. Das Licht spielt im Film eine sehr wichtige Rolle. Die Erinnerungen sind das einzige „Licht“ im Leben der Hauptfigur – konzeptionell und geradezu buchstäblich. Sie sind, was ihn definiert. Wir wollten ihn durch das Licht seiner Erinnerungen (die Fernseher), an die er sich so klammert, sichtbar machen. Auch wenn das sehr zeitaufwendig war, es war für das Thema des Films sehr wichtig.

Wie war die Arbeit am Film?
Am schwierigsten war es, zu entscheiden, welche Erinnerungen wir in den Fernsehern haben wollten. Wir hatten viele verschiedene Versionen, besonders für die letzte Erinnerung. Jede Version konnte die Bedeutung dessen, was wir sagen wollten, dramaturgisch verändern. Eine Version handelte von einem traumatischen Erlebnis, eine andere war eine Kindheitserinnerung. Doch am Ende wählten wir die Version über Liebe und Verlust, da das etwas ist, womit sich jeder identifizieren kann. Wir wollten eine Geschichte erzählen, die genau und spezifisch genug sein musste, um realistisch zu sein, aber offen genug, damit das Publikum Zugang findet und sie mit dem eigenen Leben in Verbindung bringen kann. Nach den verschiedenen Reaktionen und Interpretationen zum Film, die wir mitbekommen haben, glaube ich, wir haben da richtig entschieden.

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