„Dos disparos“ von Martín Rejtman


Szene aus "Dos Disparos" ("Two Shots Fired") von Martín Rejtman. © Promo/KHW

Szene aus „Dos Disparos“ („Two Shots Fired“) von Martín Rejtman. © Promo/KHW

Direkt ins Ziel

Fast zwei Minuten lang bewegt sich ein Junge mit ausdrucksloser Mimik zu Technomusik, die Lichteffekte der Disko prasseln wie farbiger Regen auf ihn herab. Mit dieser poetischen Sequenz beginnt „Dos disparos“ und hält auch für den Rest des Filmes eine unaufgeregte und anrührend-komische Atmosphäre aufrecht.

Nachdem Mariano im Schwimmbad vor dem Haus gebadet und den Rasen gemäht hat, findet er in der Garage eine geladene Pistole. Aus einem Impuls heraus, wie er im Nachhinein berichten wird, schießt er sich in den Kopf und in den Bauch. Er überlebt äußerlich unverseht, doch bleibt eine Kugel, angeblich unauffindbar, im Körper stecken.

Fortan räumt seine Mutter, sehr unsicher geworden in ihrem Verhältnis zum Sohn, alle Messer, Scheren und sonstigen möglichen Selbstmordwaffen aus dem Haus, und besteht darauf, dass er ständig ein Mobiltelefon bei sich tragen solle, gleichzeitig zwingt sie den älteren Bruder, ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Im Blockflötenquartett fällt Mariano seit dem Vorfall durch einen Resonanzton negativ auf, der offenbar der in ihm steckende Kugel geschuldet ist, und wird ausgeschlossen.

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