„Passion“ von Brian De Palma


Stilsicher verpackt: Lesbische Liebe, Rollenspiele und Intrigen. Foto: Ascot Elite Filmverleih

Stilsicher verpackt: Lesbische Liebe, Rollenspiele und Intrigen. Foto: Ascot Elite Filmverleih

Einfach, weil er’s kann

So richtig leicht hatte es der Zuschauer mit De Palmas Filmen noch nie, dabei zählt er doch zu den Regisseuren, die über Jahrzehnte hinweg eine deutliche Signatur entwickelten und dieser auch konsequent treu blieben. Bei De Palma geht es fast immer um Voyeurismus, um Fetisch, um Psychoterror, um schöne Frauen und um homoerotische Zwischentöne. Und um Duschen geht es meistens auch. Kurzum: De Palma hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich bei seiner Arbeit aus der Suspense-Schublade von Alfred Hitchcock bedient hat. Und trotzdem hat er nie nur schnöde Kopien des Altmeisters abgeliefert, trotz Starbesetzung und trotz prallem Budget kam immer das virtuose Trashkunstwerk eines schmierigen Lustmolchs dabei heraus. Mit dem feinen Unterschied, dass De Palma im Gegensatz zu Hitchcock dazu steht, dass er ein Lustmolch ist.

Kann man nun von „Passion„, De Palmas jüngstem Streich, etwas anderes erwarten? Natürlich nicht! In Berlin gedreht, erzählt „Passion“ von dem Machtgerangel zwischen der intriganten Werbeagentur-Chefin Christine (Rachel McAdams) und ihrer eingangs noch mauerblümchenhaften Assistentin Isabelle (Noomi Rapace). Doch aus der einst latent-lesbischen Frauenfreundschaft wird bald ein bitterböser Konkurrenzkampf, als Christine die Ideen Isabelles vor dem Vorstand als ihre ausgibt und diese im Gegenzug mit Dirk, dem Lustknaben der Chefin, ins Bett steigt. Hier erfährt sie, dass Christine in Wirklichkeit ein gemeines und perfides Luder ist und sich von Dirk vorzugsweise in bizarren Rollenspielen durchrödeln lässt, während er eine Maske mit ihrem Antlitz tragen muss. Zwischendurch wuselt außerdem noch Karoline Herfurth als zweite Assistentin Dani durchs Bild, die natürlich auch – wer hätt’s gedacht – heimlich lesbisch ist und sich in Isabelle verguckt hat.

Ansonsten ist De Palma die meiste Zeit damit beschäftigt, sich selbst zu zitieren und greift so ziemlich jedes charakteristische Stilelement wieder auf, das er in den vergangenen Dekaden in seinem eigenen Filmkosmos salonfähig gemacht hat. Voyeuristische Point of Views, lange Tracking Shots, der beliebte Split-Screen und am Ende natürlich butterweiche Slow Motion-Einstellungen, die sich zeitzerdehnend und passgenau in eine Parallelmontage einfügen. Aufgrund der zum Großteil hanebüchenen Geschichte und den etwas peinlich anmutenden Auflösungs- und Rekonstruierungsangeboten wird „Passion“ für die Zuschauer, die De Palma nicht kennen, vermutlich eine herbe Enttäuschung sein. Für alle anderen, die mit der postmodernen Gross-out-Ästhetik des Regisseurs vertraut sind, spuckt der Film einen nostalgischen Stil-Brocken nach dem anderen aus. Und so sitzt man da und krümmt sich dem Filmende entgegengehend immer mehr in eine affekthafte Embryonalhaltung zusammen, während man das alles gleichzeitig ziemlich lustig findet. Aber dennoch stellt sich nach der letzten Abblende das Fazit ein, dass ein Regisseur wie De Palma das einfach darf. Auch wenn eigentlich keiner so genau weiß warum.

Alina Impe

Passion“ Regie: Brian De Palma, Darsteller: Rachel McAdams, Noomi Rapace, Karoline Herfurth, Dominic Cooper, Rainer Bock, Paul Anderson, Kinostart: 2. Mai 2013