“Provinz ist nicht zwingend ein Ort des Stillstands.”


Provinziale-Leiterin Vivien Zippel

Provinziale-Leiterin Vivien Zippel

Wenige Tage bevor das Filmfest Eberswalde beginnt, fand die Festivalleiterin Vivien Zippel Zeit, um uns einige Fragen zur “Provinziale” zu beantworten. Im Gespräch gibt sie ein klares Bekenntnis zur Provinz ab, nimmt Stellung zum Festivalprogramm und gibt den ein oder anderen Film-Tipp!

Frau Zippel, 67 Filme aus 17 Ländern konkurrieren im Wettbewerb der „Provinziale“. Wo genau liegen die Themenschwerpunkte?
Vivien Zippel:
Unter der Überschrift PROVINZIALE zeigen wir beim 7. Internationalen Filmfest Eberswalde Produktionen, die sich analytisch bis spielerisch mit den Konzepten und Perspektiven von Provinz und Provinzialität auseinandersetzen. Besucher und Gäste werden mit Filmen konfrontiert, die wirklich etwas zu sagen haben, die über einfache bildliche Ästhetik hinausgehen und zum Reflektieren über „Provinz“ einladen.

Was ist das Besondere beim Filmfest Eberswalde?
Zippel:
Der besondere Blick auf ein spezielles Thema, der geschärfte Fokus sozusagen. Wir sind kein beliebiges Filmfest, wenngleich ein liebenswertes. Wir wollen den Zuschauer unmittelbar erreichen, ohne künstliche Hürden. Der direkte Kontakt zwischen Filmemacher und Zuschauer, zwischen Menschen aus Provinzen und Metropolen ist dabei von großer Bedeutung.

Wieso stellen Sie offensiv die Provinz in den Vordergrund?
Zippel:
Weil Provinz ein unglaublich großes Experimentierfeld für die Auseinandersetzung mit diesem Thema bietet. Häufig wird Provinz wertend mit Naivität, Stillstand, Verschlossenheit, also Klischee assoziiert. Aber Provinz kann viel mehr ausdrücken und bereithalten. Es sollte nicht als etwas Geschlossenes, Festes verstanden werden, eher als Durchgangsort oder Zwischenstation, wo sich Biografien unter einem gewissen Schutz entwickeln, um dann woanders zur Entfaltung zu kommen. Provinz ist heutzutage nicht zwingend ein Ort des Stillstands. Sie ist ein Ort, wo Wandel und Entwicklung möglich sind, wo durch Offenheit und Neugier Richtungen verändert werden können. Das erleben nicht zuletzt die Besucher des Filmfests Eberswalde selbst.

Unter welchen Aspekten entstand das nun fertige Festival-Programm?
Zippel:
Aus 829 Einsendungen aus 53 Nationen, darunter Länder wie Singapur, Südkorea, Peru, Färöer Inseln, Pakistan oder Neuseeland hat die Programmkommission das Programm für das diesjährige Filmfest zusammengestellt. 67 Dokumentationen, Animationen und Kurzspielfilme werden während der Provinziale in Eberswalde vorgestellt. Wir freuen uns auf die ästhetischen Turbulenzen im Animationsfilm, fiebern den packenden Geschichten im Kurzfilm entgegen und erwarten neugierig die dokumentarischen Erzählungen aus fern und nah.

Im zweiten Teil des Interviews verrät Vivien Zippel ihren Geheimtipp und erklärt, wie die Sonderprogramme entstanden…

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29. September 2010 | In Filmfest Eberswalde | Kommentare deaktiviert

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