Söffker: Wir kümmern uns um die, die es schwerer haben


Linda Söffker, Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Foto: Ali Ghandtschi/Berlinale 2015

Linda Söffker, Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Foto: Ali Ghandtschi/Berlinale 2015

Berliner Filmfestivals hat Linda Söffker, die Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino der Berlinale zum Interview getroffen. Ein Gespräch, über ihren Gestaltungswillen als Kuratorin, Axel Ranisch und den Berliner Mumblecore, die neue Woche der Kritik und Tendenzen im deutschen Kino.

Frau Söffker, Berlinale-Leiter Dieter Kosslick beschreibt den deutschen Film im Interview mit der Berliner Zeitung wie folgt: „Hier Til Schweiger, da Berlinale-Typus-Filme und dort die Großmeister Werner Herzog und Wim Wenders mit ihren internationalen Ansätzen. Ich würde sagen: Kann man nicht meckern; der deutsche Film steht gut da!“ Wie ist Ihre Perspektive auf das deutsche Kino?
Linda Söffker:
Der Berlinale-Typus-Film ist schwer zu fassen. Und Wenders und Herzog laufen ja auch bei der Berlinale. Es gibt sicher Filme, die ich – und Dieter Kosslick sicherlich auch – nicht als den typischen Berlinale-Film bezeichnen würden. Da ändern sich auch Zeiten. Ein deutscher Science Fiction oder Horrorfilm ist sicher kein typischer Berlinale Film und trotzdem kann er in der Perspektive laufen. Es gibt immer neue Tendenzen und die möchte ich im Programm abbilden. Dadurch wird ein Film zu einem Berlinale Film. Ich bin froh, dass ich die Leiterin der Perspektive Deutsches Kino bin, hier gibt es Spielräume, aber auch eindeutige Merkmale.

Die wären?
Wir zeigen Werke von Filmemachern, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Wir schreiben bewusst nicht in die Regularien, ob das nun der erste, zweite oder dritte Film sein muss oder darf. Ich finde, wenn Leute noch nicht so bekannt sind, kann es auch der dritte oder vierte Film sein. Wir kümmern uns um die, die es schwerer haben und nicht um Filme, die gemeinsam mit Marketing-Strategen für ein Publikum entwickelt werden. Wir wollen die Leute mit interessanten Film-Ästhetiken vertraut machen. Es geht darum, Sichtweisen in das eigene, formatierte Weltbild einzufügen. Es muss allerdings ein deutscher Film sein.

Genre kommt auf und gleichzeitig entsteht immer mehr Cross-Genre und Interdisziplinäres. Woher kommt diese neue Lust darauf?
Unsere vielen Filmhochschulen werfen jedes Jahr junge Filmemacher auf den Markt. Gleichzeitig haben wir viele junge Kreative, die keinen Job haben, aber kreativ sein wollen. Zum Glück kann sich ja heute fast jeder eine Kamera leisten. Es gibt eine Lust, bewährte Sachen neu zu interpretieren. Genre stehen für eingeführte, verlässliche Muster. Die wirken wie eine sichere Bank. Gleichzeitig ist da diese Lust, das neu zu mixen. Das Neue trifft auf das Bewährte.

Weiterlesen: Die Filmtipps der Berliner Filmfestivals-Redaktion.

Im letzten Jahr entstand fast die Hälfte der Filme im Perspektive-Programm ohne Hochschulbeteiligung. Wie kommt das?
Der kleine und unabhängige Film liegt mir auf jeden Fall am Herzen. Es geht um Filme, die mich bewegen, aber sonst nie ein Publikum finden würden, weil sie keine Industrie samt Maschinerie hinter sich wissen, die weiß, welche Marketing-Kanäle angegangen werden müssen. Wir helfen dabei, Verleiher auf diese sogenannten kleinen Filme aufmerksam zu machen. Oder andere Festivals, auf denen ein interessiertes Publikum von diesen Filmen erfährt.

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