LETsDOK: Erster deutschlandweiter Dokumentarfilmtag am 19. September


Die Regisseur*innen sind bei den Vorführungen von LORD OF THE TOYS meist selbst zum Gespräch vor Ort © Dok Leipzig 2018

LORD OF THE TOYS

Darum geht es:
Eine Clique von Dresdner YouTubern um Max Herzberg (der nicht nur laut dem Leipziger Kreuzer eine verdächtige Nähe zur rechtsradikalen Szene unterhält), die ihr Geld damit verdienen, dass die Kamera beim Komasaufen, bei der Begrüßungsgeste „Mulm“ (oder auch „Heil Hitler“), beim Fanpost-Auspacken und anderen mehr oder minder spannenden Alltagsfluchten ständig mitläuft. Einfach anzuschauen ist das oftmals sexistische und rassistische Gebaren vermutlich für niemanden – außer für die eingefleischten Fans und YouTube-Kanal-Follower.

Was du zum Film wissen musst:
Der Film gewann 2018 die Goldene Taube bei der DOK Leipzig und löste große Kontroversen aus. Nicht verwunderlich, denn die Regisseure Pablo Ben Yakov und André Krummel bewegen sich mit ihrem Film irgendwo zwischen Sozialkritik und distanzierter Dokumentation, ganz ohne Voiceover, Kommentar und Rahmung – die Frage, mit wem oder was man es hier zu tun hat, muss man sich selbst beantworten. Ob etwas beispielsweise noch Ironie ist oder schon Beleidigung. Ob man es hier mit völlig entpolitisierten Jugendlichen zu tun hat, der nächsten Generation Nazis oder den Remixern der Zukunft, für die auch der Holocaust einfach nur Material bedeutet – oder ob ein Remixer ohne Materialgewissen vielleicht einfach auch nur ein Nazi ist. Wenn man es schafft, neben dieser Frage überhaupt noch weitere zuzulassen, drängt sich eine im Besonderen auf: Was bedeutet es, prekär oder zumindest in einer in Pessimismus ertrinkenden Zeit erwachsen zu werden, in der die digitale Welt unmittelbarer und zugänglicher ist als die analoge? Es ist genau diese Selbstbefragung, die LORD OF THE TOYS sehr effektiv provoziert. – MK

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14. September 2020 | In Allgemein

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