30. FilmFestival Cottbus vom 8. bis 31. Dezember online


Key Visual © Filmfestival Cottbus

Osteuropäische Filmvielfalt nebst Oscarvorschlag

Auch vor einem großen Jubiläum macht die Pandemie nicht halt. Ende November wurde verkündet, dass das FilmFestival Cottbus, das als das wichtigste Festival für den osteuropäischen Film gilt, den Champagner anlässlich des 30.jährigen Bestehens im virtuellen Raum eingießen muss, nur ein paar Wochen, nachdem man das Festival vom November in den Dezember geschoben hatte. Nun bildet das Festival vom 8. bis 31. Dezember (statt fünftägig physisch) also im Stream die breite Vielfalt osteuropäischen Filmschaffens ab, mit 150 Filmen und einem umfangreichen Rahmenprogramm, das über Pantaflix, im Live-Stream, dem festivaleigenen YouTube-Kanal und über die Social-Media-Kanäle gespielt wird. So tragisch das Verschieben ist: Es bleibt, wie bei anderen Online-Versionen der positive Effekt, dass auch Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht nach Cottbus reisen können, einen Zugang zum Programm haben. Aber es heißt schnell sein, denn man kann und sollte sich schon vor Festivalbeginn sein Ticket (für 3,99€ pro Film oder Kombiprogramm) sichern, weil das Kontingent oftmals auf nur 250 Ticketkäufe pro Film begrenzt ist.

Es sind erneut zwölf Spielfilme aus insgesamt 22 (Ko-)Produktionsländern, die um die Gunst der Jury und damit um den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis und den Spezialpreis für die beste Regie sowie die Preisskulptur LUBINA (sorbisch: die Liebreizende) konkurrieren. Unter den Nominierten befinden sich auch renommierte Regisseur*innen, die bereits eine oder mehrere LUBINAS im Schrank haben wie Oleg Novković (BELI, BELI SVET, 2010; SUTRA UJUTRU, 2006) mit THE LIVING MAN, einer Familiengeschichte um einen alternden Rockmusiker, oder Ivan I. Tverdovskiy (ZOOLOGIYA/ZOOLOGIE, 2016; LENAS KLASSE, 2014 sowie den Spezialpreis 2018 für JUMPMAN) mit CONFERENCE. Einen besonderen Schwerpunkt hat der Wettbewerb in diesem Jahr, was den Genrefilm angeht: Es gibt den kasachisch-japanischen Western THE HORSE THIEVES. ROADS OF TIME von Yerlan Nurmukhambetov und Lisa Takeba, der in Busan das wichtigste Filmfestival Asiens eröffnete, die düstere Post-Apokalypse IN THE SHADOWS von Regisseur Erdem Tepegöz aus der Türkei sowie einige Dramen und mit dem rumänischen THE CAMPAIGN von Marian Crisan auch eine Politkomödie.

Weiterlesen: Hier gibt es die Langkritik von Teresa Vena zu ZOOLOGIYA/ZOOLOGIE.

Neben dem Langfilmwettbewerb konkurrieren außerdem Filme in den Sektionen Kurzfilm und in der U18-Wettbewerb Jugendfilm, die Cottbus als Nachwuchsplattform besonders am Herzen liegt – erstmals werden auch in diesen Wettbewerben die begehrten Preistrophäen übergeben.

Darüber hinaus gibt es 2020 auch online wieder eine große Themen- und Filmvielfalt in eigens kuratierten Schwerpunkten. Das 30-jährige Jubiläum wird im Programm mit dem 30. Jahrestag der Wiedervereinigung sowie dem 30-jährigen Bestehen des Bundeslandes Brandenburg verknüpft: „Von Frust und Freiheit“ gibt sowohl den „Wendegewinner*innen“ als auch den eher resignierten Protagonist*innen eine Stimme, und die Reihe „Stau 1990/2020“ geht beispielsweise anhand des kontrovers diskutierten Films STAU – JETZT GEHT’S LOS von Thomas Heise auf den aufflammenden Rechtsextremismus der 90er und die Folgen für das Heute ein. Daneben gibt es Reihen, die jeweils spannende, neue Produktionen aus Russland, Polen, Tschechien oder der Nieder- und Oberlausitz zeigen. Und die Sektion „Spectrum“ zeigt ein weiteres Mal ungewöhnliche und experimentierfreudige Filme, darunter die jüngste Produktion von Peter Strickland, COLD MERIDIAN, sowie den kroatischen Oscar-Beitrag EXTRACURRICULAR von Ivan-Goran Vitez.

Marie Ketzscher

Wir haben für euch einen Blick ins umfangreiche Programm geworfen und unsere Tipps zusammengestellt…

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3. Dezember 2020 | In FilmFestival Cottbus

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