Rückblick aufs Final Girls Berlin Festival 2026


DEAD LOVER © Final Girls Berlin Film Festival
DEAD LOVER © Final Girls Berlin Film Festival

Dieses Jahr fand vom 4. bis 8. März wieder das Final Girls Berlin Festival statt – mit einem tollen Konzept: Gezeigt werden Horrorfilme nur von Frauen, trans- und non-binären Personen.
Das klingt vielversprechend und ist es auch: Mit ihrem diesjährigen Programm aus Lang- und Kurzfilmen hat das Final Film Girls Festival Horror eine super Auswahl – ohne den typischen Splatter, sondern Witz, Weirdness, fantastischen Frauenfiguren und viel Tiefe.

Besonders hervorzuheben sind die Filme DEAD LOVER, HONEY BUNCH, MOTHER OF FLIES und FRÉWAKA.

In DEAD LOVER verliebt sich eine Totengräberin in einen Mann, der um seine tote Schwester trauert. Nach einer intensiven Liebesbeziehung verliert sie ihn bei einem Schiffsunfall und versucht daraufhin, ihn wieder zum Leben erwecken.
Schon mit Guillermo del Toros FRANKENSTEIN im letzten Jahr kam das Motiv des Monsters erneut zum Vorschein, nachdem es bereits über einem Jahrhundert im Film behandelt wurde. Hier greift DEAD LOVER ein Liebesmotiv auf. Unfassbar lustig ist es, als die Totengräberin versucht, ihren Mann anhand seines Fingers wieder lebendig zu machen – beim Schiffsunfall wurde seine Leiche nicht geborgen, nur ein Finger gefunden – und damit ungewollt ein Monster erschafft.
Insgesamt ist der Film sehr unterhaltsam. Er ähnelt stark den Monty-Python-Motiven, gemischt mit THE ROCKY HORROR SHOW ohne Musical-Darstellungen und ist so düster-schräg, dass man sich vor Lachen kaum mehr halten kann und sich gleichzeitig fragt: Wie kommt man auf so eine verrückte Idee?
Mit Sex geht DEAD LOVER freizügig um. Körper erfinden sich neu und Geschlechterrollen werden überworfen. So kommt es auch mal vor, dass zwei Nonnen vom kreierten Monster beim Geschlechtsverkehr beobachtet werden. Zudem zeigt der Film eine außergewöhnliche Ästhetik. Die Figuren befinden sich meist allein in einem schwarzen Raum, die Koloration erinnert an die Farbgestaltung der damaligen Stummfilme. Die Regisseurin Grace Glowicki (die gleichzeitig die Totengräberin spielt) erschafft mit DEAD LOVER einen einzigartigen Film, der lange im Gedächtnis bleibt. Vor allem der Finger.

HONEY BUNCH © The Nottingham Horror Collective
HONEY BUNCH © The Nottingham Horror Collective

In HONEY BUNCH können Hinterbliebene ihre Liebsten – wie in DEAD LOVER – nicht loslassen. Grace Glowicki spielt die Ehefrau Diana, die nach einem schweren Unfall von ihrem Mann Homer (Ben Petrie) in eine Klinik eingeliefert wird. Dort passieren eigenartige Dinge, die Diana nicht einordnen kann.
Die Geschehnisse wirken am Anfang unsortiert – was ist mit Diana passiert? Warum ist sie in der Klinik? Fragen, die bis zur Mitte des Films unbeantwortet bleiben. Die Figuren verhalten sich allesamt seltsam. Zudem spritzen Blut, Hirn und infektiöse Haut nur so, als wäre es eine Nebensächlichkeit – was skurril wirkt, aber den Film auch so verstörend-spannend macht. Grace Glowicki sorgt mit ihrer eigenartigen Mimik für unterhaltsame Lacher. Insgesamt ist es ein etwas anderer Horror, der sehenswert ist.

FRÉWACKA © The Nottingham Horror Collective
FRÉWACKA © The Nottingham Horror Collective

FRÉWAKA beschäftigt sich mit einem Familiengeheimnis. Der Filmtitel stammt aus dem Irischen und bedeutet so viel wie „Wurzeln“. Genau darum geht es auch: Um die Verbindung von Tochter, Mutter und Großmutter.
Shoo (Clare Monnelly) geht ihrem Beruf als Pflegerin nach und besucht nach dem Selbstmord ihrer Mutter eine alte Frau, um die sie sich kümmern soll. Doch diese zieht sie in ihre unheilvollen Verschwörungen hinein.
FRÉWAKA verzichtet auf große Effekte und überzeugt stattdessen mit psychologischen Tricks. Sei es eine Tür mit Flaschen und Hufeisen, die böse Geister fernhalten soll, Rituale, die das Böse abwehren, Geräusche aus dem Keller, Shoos Chefin, die sich plötzlich sehnsüchtig an die Tür der alten Frau drückt oder die atmosphärische Musik: In FRÉWAKA entsteht der Grusel durch diese zunehmend bedrohlicher werdenden Ereignisse. Der Film schafft Gänsehaut-Momente und erzählt vom Trauma einer Familie. Interessant ist auch, dass der Film regional verankert ist – die Figuren sprechen irisch, leben in einem Dorf und sind stark mit der Natur verbunden.
Folkloristisch wird es auch in MOTHER OF FLIES. Die Filmemacher-Familie Adams beschäftigt sich sehr intim mit einer Krebserkrankung.
Mickey (Zelda Adams) leidet unheilbar an der Krankheit. Mit ihrem Vater macht sie sich auf den Weg zu einer Nekromantin, die sie von ihrem Krebs befreien soll. MOTHER OF FLIES spielt mit dem Horror, in dem er zeigt, wie ein Mensch praktisch gegen seinen eigenen Körper ankämpfen muss.
Neben dem eindrucksvollen Naturschauspiel ist MOTHER OF FLIES vor allem blutig-düster und mystisch angehaucht.
Die Regisseurin Toby Coser erzählte nach der Vorstellung, während dem Q&A, dass MOTHER OF FLIES ein Film sei, der ihr besonders nahe ging, da ihre Familie selbst mit Krebs zu kämpfen hatte. Mit dem Wissen über die Geschichte der Adams-Familie hat MOTHER OF FLIES einen umso emotionaleren Impact.