„Night Dreams“ von Rinse Dream


Screenshot Trailer

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Geistigen Masturbation

Nightdreams“ ist eine sexuelle Halluzination, überbordend an Fantasie und einem LSD-Trip ähnlich. Rinse Dreams (Stephen Sayadia) Porno ist ein Sprung ins offene Meer des Expliziten, eine wilde Reise durch die Nacht und eine Mischung aus deutschem Expressionismus und New-Wave. Dunkel und unheimlich, aber amüsant und sexy.

Nightdreams“ wirkt in seiner Konzeption wie eine Mischung aus Kenneth Anger, David Cronenberg und David Lynch – angereichert mit Nacktheit und viel Oralsex. Dazu ein simpler aber nicht minder surrealer Plot: Zwei Wissenschaftler erproben an einer Patientin elektrische Stromstöße, um erotische Träume zu stimulieren. Die Patientin, Mrs. Van Hourten, ergibt sich daraufhin phantasmagorischen Erläuterungen und Träumen, offen und emotional: „I know you’re watching me. I can feel your eyes like fingers touching me in certain places. I can feel my pussy so open you can see inside me.“ Das ist keine Lüge, es sind lucide Träume, die sie vor ihrem Mann versteckt hält, mit dem sie noch keinen Orgasmus erlebt hat. Diese traumhafte Offenlegung wird begleitet von zwei halbnackten Cowgirls: Sie, in ihrer Fantasterei der Wind, heiß und gefährlich, die anderen beiden wie wilde Hyänen.

Unterstützt wird dieser surreale Trip von psychedelischer Hintergrundmusik. Dabei entstehen weitere Traumbilder, etwa wenn Van Hourten in die Hölle hinabsteigt, die Wüste ist ihr nicht heiß genug, und den Teufel mit weit geöffneten Beinen begrüßt. Houten ist jetzt in wilder Ekstase, will alles und jeden, und will selbst die Ärztin, die ihr Spiel durch ein Fenster beobachtet. Erschreckend wandelt sich diese Szenerie zu einem Albtraum, als Mrs. Van Hourten ihre Hand in die Hose eines Mannes, der Dracula ähnelt, gleiten läßt und einen Penis herauszieht, der wie ein Neugeborenes aussieht. Ist das ihr schlimmster Albtraum?

So eine voyeuristischen Erfahrung, wie man sie hier als Zuschauer erlebt, begegnet man in keinem anderen pornografischen Werk. Und so dient der sexuelle Reiz von „Nightdreams“ weniger der körperlichen als der geistigen Masturbation. Ironische Übermalung ist der Schlüssel zu dieser Reise – etwa dann, wenn in einer morgendlichen Szene Weizengrießpackungen lebendig werden und sich oral befriedigen lassen, während im Hintergrund ein tanzendes Toastbrot Saxophon spielt.

Jekaterina Petrova