Grenzerfahrungen und Bilderwut


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Als bekennender Cineast ist Bernauer „durchaus auch jemand, der gerne in Programmkinos geht und Arthouse Filme oder Dramen guckt und dabei gerne heult“, erklärt er mit einem Lächeln. Filme, die dagegen imstande sind, ihn an die Grenzen des psychisch und visuell Ertragbaren zu bringen, machen Bernauer regelrecht wütend auf sich selbst. Traumatisch eingebrannt hat sich bei ihm die zwölfminütige Vergewaltigungsszene aus „Irreversible“ mit Monica Bellucci und Vincent Cassel, die 2002 in Cannes schon dafür sorgte, dass manche Zuschauer die Vorführung frühzeitig verließen. Manchmal hilft eben selbst der Gedanke „Ist doch eigentlich nur ein Film, bitteschön.“ nicht mehr, denn wenn es zu extrem wird, so sagt Bernauer von sich selbst, „das bin dann nicht mehr ich“. Trotzdem ist er sich bewusst, dass persönliche Befindlichkeiten nicht immer Entscheidungskriterium bei der Programmauswahl sein dürfen und überlässt das fachkundige Urteil lieber seinen Kollegen Rainer Stefan und Frederike Dellert, wenn er zugibt: „Freunde, ich kann nicht beurteilen, ob der Film gut oder schlecht ist oder ob der unseren Fans gefällt.“

Empfehlen kann der Festivalmacher dieses Jahr hingegen alles, was im Bereich Psychothriller, Crime und Mystery angesiedelt ist. Zu seinen bisherigen Favoriten zählen eine Geschichte über Mädchenhandel („Eden„, Megan Griffiths), der franko-kanadische Thriller „Switch“ (Frédéric Schoendoerffer) und der humor- und actiondurchsetzte Beitrag „Violet & Daisy“ (Geoffrey Fletcher). „Außerdem noch ´The Pact´ (Nicolas McCarthy), eigentlich eine Geistergeschichte, die sonst eher nicht so meins ist, aber in dem Fall blieb ich nägelkauend davor sitzen.“ Obwohl Andreas Bernauer nicht für die Programmauswahl zuständig ist und bisher nur ein Drittel der Filme gesehen hat, gibt es also jetzt schon einiges, was er den Fantasy Filmfest-Jüngern vorbehaltlos empfehlen kann. Und wer im Kontrast zu dem Festivalmacher sein Herz für Bodyhorror inklusive Blutfontänen und rumfliegende Gedärme erwärmen kann, wird sicherlich genauso auf seine Kosten kommen, auch wenn man natürlich immer Gefahr läuft, dass der Film einen eiskalt erwischt. „Wenn ich nach sowas aus dem Kino gehe, brauche ich jemanden zum Reden oder Ablenkung in irgendeiner Form, weil mich das dann ziemlich mitnimmt und die Bilder mich verfolgen“, erzählt Bernauer und huldigt damit einer Strategie, die wahrscheinlich so alt ist wie das Horrorgenre selbst.  Und auch dieses Jahr beim Fantasy Filmfest bestimmt vermehrt zum Einsatz kommen wird. Der diesjährige Slogan lautet sicher nicht umsonst „Be afraid“.

Alina Impe

26. Fantasy Filmfest, 21. bis 29. August, Event Cinema Berlin und Cinemaxx am Potsdamer Platz, Einblicke in das Programm

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20. August 2012 | In Fantasy Filmfest

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