2. Soundwatch: Unterhaltung und Anspruch


Die Dokumentarfilm-Reihe „Bulit to last – relics of communist era architecture“ (CZ 2017) der tschechischen Filmemacherin Haruna Honcoop bildete den Soundwatch-Abschluss. / Copyright: Haruna Honcoop

Auch Electro war immer wieder ein Thema in den Filmen des diesjährigen Soundwatch Festivals, vor allem der Detroit Techno, der gleich in zwei französischen Filmen verhandelt wurde: In „Never Stop – A music that resists“ (F 2017) von Jacqueline Caux und in „French waves“ (F 2017) von Julian Starke, der sich mit dem französischen Phänomen des ‚French Touch‘ im Techno beschäftigt.
Eine Einführung in die Geschichte des Minimalismus gab Benjamin Whalloys Dokumentarserie „Tones, drones and arpeggios: The magic of minimalism“ (GB 2018). In der Serie sucht der Dirigent Charles Hazlewood die Pioniere und Wegbereiter des Minimalismus auf und erkundet die Einflüsse und die Entstehung dieses Genres. Als Musiker ist sein Blick auf den Minimalismus auch musiktheoretisch und so konnte man auch als Fan des Genres aus dem Gesehenen Erhellendes ziehen.

Den Abschluss des Festivals, die Finissage, bildete die Berlin-Premiere des experimentellen Dokumentarfilms „Bulit to last – relics of communist era architecture“ (CZ 2017) der tschechischen Filmemacherin Haruna Honcoop im Tschechischen Zentrum. BUILT TO LAST besteht aus verschiedenen Kurzfilmen, die sich der sowjetischen Architektur in diversen Ländern widmen. Jedem Kurzfilm ist ein prägnantes Zitat vorangestellt und die einzelnen Filmaufnahmen, gelegentlich verbunden mit Archivmaterial, wurden von zeitgenössischen Electrokünstlern der jeweiligen Länder musikalisch unterlegt. Das anschließende Q&A verdeutlichte Honcoops ambitioniertes Projekt. Nicht nur ein Film ist aus ihrer Faszination für sowjetische Architektur, die noch immer an so vielen Orten der ehemaligen Sowjetunion zu finden ist, entstanden, sondern auch eine aufschlussreiche Homepage mit einer Karte, durch die man ihre Reise nachvollziehen kann.

Das Projekt ist damit noch längst nicht abgeschlossen. Haruna Honcoop plant für ein weiteres Projekt nach China zu reisen und auch hier auf Spurensuche sowjetischer Architektur zu gehen, um die Homepage mit Bildern und Informationen zu erweitern. Im Anschluss an das Q&A endete die letzte Veranstaltung des diesjährigen Soundwatch Festivals mit einer audiovisuellen Performance von Pavel Kraus und Tadeáš Haager, die die Thematik des Films aufgriff. Kraus und Haager erklärten, mit ihren electronischen Projekten auch Millennials erreichen zu wollen, für die die Sowjetunion kein relevantes Thema mehr sei und die sowjetische Architektur demnach oft nicht als solche wahrnehmen könnten.

Das diesjährige Soundwatch Festival bot einen perfekten Mix aus Unterhaltung und Anspruch. Es beeindruckte durch ein sorgsam kuratiertes Programm mit vielen Q&As und richtete sich damit nicht nur an Musikfans. Die Filme von Soundwatch verdeutlichten auch den Stellenwert von Musik in unserer Gesellschaft und so ist es tatsächlich möglich, durch Musikdokumentarfilme unsere Welt ein wenig mehr zu verstehen.

Michaela Grouls

Vom 7. bis 16. November 2018 fand zum zweiten Mal das Musikfilmfestival Soundwatch statt. Veranstaltet wird es vom Verein filmokratie e.V. und auch in diesem Jahr war das charmant-gemütliche Lichtblick-Kino, die hauptsächliche Festivallocation.

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30. November 2018 | In Allgemein

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