“The Queen of Ireland“ von Conor Horgan


“The Queen of Ireland” kam am 21. Oktober 2015 in die irischen Kinos, ein Tag vor der offiziellen Verabschiedung des Gesetzes zur gleichgeschlechtlichen Ehe durch das irische Unter- und Oberhaus. Die Dreharbeiten zu dem Film begannen jedoch bereits 2010, also lange bevor Panti Bliss vom international erfolgreichen Showgirl zu einer der Wortführerinnen der irischen LGBQT-Bewegung wurde. Was zunächst einmal als Porträt der glamourösesten Dragqueen Irlands begann, wurde laut Regisseur Conor Horgan erst im Laufe der Dreharbeiten zu einem politischen Statement durch die Entwicklungen, in die Panti Bliss geriet. Angefangen mit “Pantigate”, ihrer öffentlichen Denunziation homophober Tendenzen einiger irischer Journalisten in einer Late Night Show des Senders RTÉ, ein Vorfall, der schließlich Wellen bis ins EU-Parlament schlug, bis hin zu ihrem politischen Einsatz für die Ehe für Alle in Irland.

“The Queen of Ireland” ist nicht nur die berührende Biografie eines Menschen auf der Suche nach so etwas wie Identität und Anerkennung in einer noch immer nicht ganz so freien Gesellschaft. Die Doku zeigt, wie alle diejenigen, die nicht in eine weiße, patriarchale und heteronormative Ordnung hinein passen, gesellschaftliches Leben nichts anderes bedeuten kann als politisches Leben. Das ist manchmal lustig, manchmal aber auch sehr melancholisch, wenn Rory O’Neill beispielsweise darüber philosophiert, wie schwer es für ihn als Dragqueen und HIV positiver Mann ist, einen Partner zu finden oder wie dankbar er seinen Eltern für all die Unterstützung ist, die sie ihm haben zukommen lassen, auch wenn er es ihnen nicht einfach gemacht hat.
Panti ist in diesem Sinne also alles andere als eine “Aktivistin wider Willen” – ein Label, das ihr oft zugeschrieben worden ist (Link) – sondern als Künstlerin, Entertainerin und Person des öffentlichen Lebens mit sehr vollem Haar und auffälligem Makeup kann sie gar nichts anderes tun, als wie ein Hofnarr, ihren Finger in die Wunde zu legen, wem das nicht gefalle, der solle sie verklagen: “I’m a clown, I’m a fool, I’m a court jester and like the court jester it is my job to sometimes say the unsayable and if you have a Problem with that fucking sue me.”

“The Queen of Ireland” ist ein wichtiger Film, der zeigt, dass die Iren uns Deutschen einen Schritt voraus sind, was die in unserer Verfassung verankerte Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz angeht: In Deutschland sind, was das Eherecht angeht, eben immer noch einige ein bisschen gleicher als andere…

Tatiana Braun

“The Queen of Ireland”, Regie: Conor Horgan. Mit: Rory O’Neill aka Pandora ‘Panti’ Bliss, Angelo Pitillo, David Norris, Declan Buckley, Phillip McMahon, Mark O’Halloran.

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19. März 2017 | In Shebeen Flick | Keine Kommentare »

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