Vier Fragen über die Berlinale an...


Foto: Martin Daßinnies

Foto: Martin Daßinnies

Heute öffnet die 62. Berlinale ihre Pforten, das bedeutet Hochbetrieb auf den roten Teppichen der Stadt, schlaflose Nächte, Partys und unzählige Filmentdeckungen. Wir haben Filmschaffende, Journalisten und Berliner Festivalmacher vier Fragen zum größten Publikumsfestival der Welt gestellt.

Rüdiger Suchsland, Foto: privat

Rüdiger Suchsland, Foto: privat

RÜDIGER SUCHSLAND (Filmjournalist und -kritiker)

Welches Erlebnis verbinden Sie mit der Berlinale?
Dreierlei: 1. Die alten Kinos am Ku-Damm, das waren wunderbare Raumerlebnisse aus einer anderen Zeit, mit denen kaum eines der heutigen Kinos mithalten kann – etwa das Astor (das echte, alte, in dem heute Thommy Hilfinger-Hemden verkauft werden). Dort sah ich „Lulu“ in der Pabst-Retro 1997, meiner ersten Berlinale und großartige Preminger-Filme – mein letzter war der letzte dieses Kinos im Berlinale-Rahmen: „Bunny Lake Is Missing„, am letzten Sonntag 1999. Das andere tolle Kino ist das Royal, die „größte Leinwand Europas“, dort den Schmachtfetzen „English Patient„, den ersten Anime, „Prinzessin Mononoke„, und dann im Panorama „Fucking Amal“ von Moodysson, schwedische Teenis plötzlich vier Meter groß. Im Kino gilt: Bigger is bigger!
2. Die Mitternachtsvorstellungen des Forums im Delphi: Einen Hongkong-Film mit 200 Chinesen zu sehen, das war unvergleichlich!
3. Jener Tag, als ich einmal hintereinander 7 Filme sah: Der letzte war ein Bollywood-Melo, das erste meines Lebens, ab Mitternacht im Forum: DIL SE. Erst tanzte Shah Rukh Khan singend auf fahren Zügen, am Ende fliegt er in die Luft – ein Wahnsinn!

Wie überstehen Sie die Berlinale?
Dreierlei: 1. Viel trinken: Morgens Kaffee, abends Bier. Kein Wein, zwischendurch Wasser.
2. Wenig schlafen. Wenn man einmal damit anfängt, hört’s nicht wieder auf.
3. Nette Leute treffen. Menschen sind die beste Droge.

Was würde der Berlinale gut tun?

Dreierlei: 1. Die Wiedereinführung der Mitternachtsvorstellungen im Forum
2. Wieder Rivalität, Zank und produktiver Zoff zwischen den Sektionen, statt dem Kuschelkurs, der zuviel Mittelmäßiges ins Programm bringt, und die Eigenheiten der Sektionen nivelliert.
3. Weniger Sektionen, weniger Breite, mehr Extrem, Exzeß, Radikalität und Mut. Weniger Publikumsanbiederungsfestival und mehr Publikumsherausforderungsfestival.

Welchem Berlinale-Film hätten Sie mehr Aufmerksamkeit gewünscht?
In diesem Jahr weiß ich das ja noch nicht. In den vergangenen Jahren drei Filmen:
1. „All About Lily Chou Chou“ aus Japan im Panorama 2002
2. „Ressurection Of The Little Match Girl“ aus Korea im Forum 2003
3. „Weekend Plot“ aus China, im Forum 2002

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Sebastian Brose, Foto: privat

Sebastian Brose, Foto: privat

SEBASTIAN BROSE (Festivalleiter achtung berlin)

Welches Erlebnis verbinden Sie mit der Berlinale?

Besondere Filme, die man sonst nicht mehr sehen kann, gute Gespräche und neue Kontakte.

Wie überstehen Sie die Berlinale?

Mit viel Kaffee und nicht so langen Partynächten.

Was würde der Berlinale gut tun?
Etwas weniger Filme und damit das Profil schärfen.

Welchem Berlinale-Film hätten Sie mehr Aufmerksamkeit gewünscht?
Schwer zu sagen, aber die deutschen Filme hätten oftmals mehr Aufmerksamkeit verdient.

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