Erste Eindrücke des neuen Kino Arsenal im Wedding

Arsenal forever? – Na hoffentlich!
Eine Neueröffnung in der Berliner Kinowelt ist immer etwas Besonderes, da meist nur bereits bestehende Orte renoviert werden. Im Mai 2026 öffnet das neue Kino Arsenal in der Westhalle des ehemaligen Krematoriums im Wedding seine Türen, in dem auch das silent green Kulturquartier seinen Platz gefunden hat. Das Arsenal kann dabei bereits auf mehr als ein halbes Jahrhundert Kinogeschichte an verschiedenen Orten in der Stadt zurückblicken. 1970 eröffnete der Verein der „Freunde der Deutschen Kinemathek” das Kino Arsenal erstmals in der Welserstraße in Berlin-Schöneberg. Im Jahr 2000 zog es dann für 25 Jahre in das Filmhaus am Potsdamer Platz, in dem auch die Deutsche Kinemathek und die dffb untergebracht waren. Doch die Rechnung für das Areal um das Sony-Center herum ging nicht auf. Ursprünglich war es als modernes Stadtzentrum geplant, doch die kultureller Förderung stand hier niemals im Vordergrund. Exorbitant steigende Mietkosten waren die Folge und machten eine weitere Nutzung für alle drei Institutionen unmöglich.
Dass das Kino Arsenal in der Plantagenstraße im Wedding eine neue Heimat gefunden hat, ist dabei sicherlich ein Glücksgriff. Zum einen ist es hier direkt in einem lebhaften Wohnkiez verortet, in dem sich auch das SİNEMA TRANSTOPIA befindet. Zum anderen sind nun erstmals alle Tätigkeitsfelder des Vereins in direkter Nachbarschaft angesiedelt: neben dem Kino auch das 2016 eröffnete Filmarchiv unter der Kuppelhalle des silent green und die neuen Büroräume in der Gerichtstraße. Unter dem neuen Namen „Arsenal Filminstitut” können Bewahrung, Forschung, Vermittlung und Verleih zusammengeführt werden.

Erste Eindrücke des Kinos
Bei den ersten Testscreenings im April – die sich jeweilig an Arsenal-Mitglieder, Filmschaffende sowie Nachbarschaft und somit an ein recht repräsentatives Publikum richteten – konnte das neue Kino bereits einen guten Eindruck davon liefern, was im Arsenal zu erwarten ist. In Sachen repräsentative Auffindbarkeit ist man jedoch noch am Tüfteln: Der Haupteingang des Arsenal in der Plantagenstraße auf der Rückseite des silent green ist doch recht unauffällig und nicht so leicht zu spotten. Direkt neben dem „Seelenbeschleuniger“ – dem Schornstein des Krematoriums – gelangt man in das Foyer. Hier zeigt sich bereits, dass einige Elemente aus den vergangenen Kinos übernommen wurden. So zum Beispiel die Anzeigetafel hinter dem Tresen, die bereits an der Fassade des ersten Arsenal in Schöneberg hing. Der Kinosaal fügt sich in die gebogene Architektur der denkmalgeschützten Halle ein, die durch die wabenförmigen Dämmelemente an der Decke fast schon höhlenartig wirkt. Auch die Kinositze wurden vom letzten Standort am Potsdamer Platz übernommen und neu bezogen – es sind nun 169 Plätze statt 236, für die meisten Kino-Zwecke aber vermutlich ausreichend.
Obgleich die analogen Projektoren zum Testscreening noch nicht in Betrieb waren, haben die neuen Räumlichkeiten viel zu bieten: Neben allen geläufigen Wiedergabemöglichkeiten von 8 mm, 16 mm, 35 mm und 70 mm sowie einem 4K DCP-Projektor, verfügt das neue Arsenal mit dem Dolby-Atmos-System über eine satte Tontechnik, die keine auditiven Wünsche übrig lassen sollte. Ein richtiges Novum und Selling Point ist aber vor allem die neu verbaute Konferenz-Technik, die es ermöglicht, dass man ohne Mikro auch im Publikum sprechende Personen versteht. Ideale Voraussetzungen also für Filmgespräche und Q&As.
Ausblicke – das können Arsenal-Liebhaber*innen und zukünftige Besucher*innen erwarten
Die mit den Filmschaffenden, Arsenal-Mitgliedern und der Nachbarschaft durchgeführten Testscreenings zeigen geradezu vorbildlich, wie sich ein Kino in den Kiez erst mal einfühlen will. Kein Platzhirschgebaren. Stefan Aue, die Kaufmännische Leitung des Arsenals seit 2025, betont dabei auch die inhaltliche sowie institutionelle Annäherung als Standorterschließungsstrategie: Neben den Kontinuitäten – sprich: der Präsentation des eigenen Archivs sowie Inhalten des Berlinale Forums – sind auch ein paar Anpassungen und Neuerungen geplant.
Auch wenn man den durch die Nachbar*innen vereinzelt geäußerten Wunsch, auch Blockbuster zu sehen, vermutlich eher peripher nachkommen kann: die Lebendigkeit des neuen Kiezes, der ja die Heimat vieler Communities und Szenen ist, wird beispielsweise laut Aue auch programmatisch einfließen. Angst davor, dass man sich mit dem Programm des SİNEMA TRANSTOPIA inhaltliche Kollisionspunkte erarbeite, gibt es nicht. Man sei mit allen Playern im Gespräch, nicht nur dem SİNEMA TRANSTOPIA, sondern auch dem Kunstzentrum SAVVY Contemporary sowie einigen Nachbarschaftsinitiativen, die vielleicht die technischen Möglichkeiten des neuen Saals in Ergänzung zum Hauptprogramm nutzen könnten. Interdisziplinäre Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Film und Musik werden in den Fokus genommen. Auch an einem Angebot für Kinder und Familien soll noch stärker gearbeitet werden. Der einzige Wermutstropfen, den es gibt, ist die fehlende unmittelbare Nachbarschaft zur dffb – die aber mit deren Umzug in die Berlin Decks in Moabit ja zumindest ein fußläufig erreichbarer, entfernter Nachbar werden wird.