British Shorts Summer Edition 2026
Eigentlich sind das Bibbern und Zittern integrale Bestandteile jeder British Shorts Edition, die ja schließlich im Winter über die Bühne geht – für die Summer Edition wird aber alljährlich eine transpirierende Ausnahme gemacht: Vom 31.7 bis 2.8. gibt es auch dieses Jahr im Freiluftkino Insel, im Freiluftkino Friedrichshain und im Sputnik eine Auswahl der besten winterlichen Filme zu sehen.
Es ist viel Lustiges in der Auswahl, aber auch Ernsthaftes, wie beispielsweise NOSTALGIE von Kathryn Ferguson, eine Adaption von Wendy Erskines Kurzgeschichte über den Nordirland-Konflikt, sowie den diesjährige Gewinnerfilm TOBBACONIST von Keifer Nyron Taylor, der sich mit Rassismus, spezifisch gegenüber Menschen mit jamaikanischer Migrationsgeschichte, auseinandersetzt.
Hier sind vier Empfehlungen aus dem Programm.
OVARY-ACTING
Darum geht es:
Was, wenn die biologische Uhr einen plötzlich in Form einer kleinen plüschigen Eizelle einholt, die Ovy heißt? Eva versucht jedenfalls, sie auszublenden – denn sie sieht ständig Babys und will, dass sich Eva schnellstmöglich reproduziert.
Was du zum Film wissen musst:
Als launiges Stop-Motion-Musical erinnert OVARY-ACTING an die gesellschaftlichen Erwartungen, die so oft auf weibliche Körper projiziert werden. So oft, dass viele Frauen gar nicht mehr recht wissen, ob sie denn jetzt Kinder wollen oder nicht. Mit ihrem Film wirft Ida Melum einen satirischen Blick auf ein ernstes Thema und ist dabei herrlich empathisch – wie auch schon in NIGHT OF THE LIVING DREAD.
TOO DISGUSTING TO BE CONFUSED
Darum geht es:
Eine alternative Miss-World-Wahl, bei der nicht etwa klassische Schönheit im Vordergrund steht, sondern „Poise, Personality and Originality“. Als gegenkulturelle Misswahl 1972 erstmals ausgerichtet, wurde Show schnell bekannt – auch dank Divine als Moderatorin und einer in Cannes gezeigten, viel gelobten Doku über das Event. Doch der Misswahl-Gründer, Eric Morley, witterte durch die ähnlichen Namen der beiden so unterschiedlichen Veranstaltungen Verwechslungsgefahr..
Was du zum Film wissen musst:
Die Netflix-Kurzdoku von Maya Avidov holt nicht nur einen vermutlich für viele Zuschauer*innen eher im Verborgen liegenden Meilenstein queerer Lebenskultur ans Licht, sondern zeichnet gleichzeitig ein liebevolles Porträt von Andrew Logan, der die Misswahl erfand, und bis heute als Bildhauer arbeitet.
RETIREMENT PLAN
Darum geht es:
Vollgas für den letzten Lebensabschnitt! Viele Menschen haben ganz große Pläne für die Zeit des Renteneintritts – oft auch zu große.
Was du zum Film wissen musst:
John Kellys auf Wesentliche reduzierte 2D-Animation und die pathosgeladene Musik haben ihren Anteil daran, dass man nicht nur mitlacht, sondern den kleinen, ernsten Kern des Films erspürt: Am besten nichts aufschieben, keine Träume, keine Projekte… Immer schön im Moment leben. Und nichts mitschleppen ins hohe Alter. Fun Fact: Domhnall Gleeson (CHALLENGERS) wurde für RETIREMENT PLAN als Voice Actor gecastet.
NEIL ARMSTRONG & THE LANGHOLMITES
Darum geht es:
Langholm hat ihn nie vergessen – den Tag, an dem der Astronaut Neil Armstrong das schottische Dorf Langholm besucht hat, und den die „Langholmites“ liebevoll erinnern. Bis heute gedenken sie seinem Besuch mit zahlreichen Anekdoten und Musealisierungsversuchen.
Was du zum Film wissen musst:
Duncan Cowles ist seit seinem grandiosen Erstling TAKING STOCK der Kurzfilmhero in Sachen „deadpan humour“. Sprich: Er kommentiert alles mit derart ausdrucksloser, monotoner Stimmlage, dass es schwerfällt, ernst zu bleiben. Oft geht es auch um ihn und die Unmöglichkeit des Filmemachens, die Schwierigkeit einem Thema Genüge zu tun – das sind schöne cineastische Momente. In NEIL ARMSTRONG & THE LANGHOLMITES bleiben allerdings ein paar Lacher auch im Halse stecken: Sich über die eigenen Schwächen lustig machen, ist immer gut – aber manchmal scheint er auch die Langholmites selbst durch den Kakao zu ziehen, die sich ihm ganz offenherzig anvertraut haben. Jetzt bitte nicht zynisch werden, Cowles!