76. Berlinale: GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE von Gore Verbinski


GOOD LUCK, HAVE FUN, DON'T DIE © Constantin Film Distribution GmbH
GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE © Constantin Film Distribution GmbH

    SAVE THE FUTURE!

    Zehn Jahre ist es her, dass der einstige Erfolgsregisseur Gore Verbinski einen Film ins Kino brachte. Zu Beginn des Jahrtausends ließ er mit den überaus populären PIRATES OF THE CARIBBEAN-Filmen die Kinokassen weltweit klingeln. Mit dem tierischen Western RANGO (2011) gewann Verbinski gar einen Oscar für den besten animierten Spielfilm, bevor er mit künstlerischen (LONE RANGER, 2013) und kommerziellen Fehlschlägen (A CURE FOR WELLNESS, 2016) Schiffbruch erlitt.

    Mit der Science Fiction-Satire GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE, die vorab im Berlinale Special zu sehen war, meldet sich Verbinski nun zurück und wer eine turbulente Mischung aus haarsträubender Action und deftiger Komik wie in MOUSE HUNT (1997) oder den Abenteuern um Capt. Jack Sparrow erwartet, kommt hier auf seine Kosten. Verbinskis neuester Streich mag nicht immer den richtigen Ton treffen und zum Ende auch etwas aus dem Ruder laufen. Er bietet aber sehr unterhaltsamen Eskapismus gepaart mit wenig subtiler Kultur- und Kapitalismuskritik.

    Ohne viel Federlesens wirft der Film uns in die Handlung. Ein vollbesetztes Diner irgendwo in Kalifornien. Freunde und Familien, aber auch einige einsame Seelen sind ganz mit sich selbst beschäftigt, als plötzlich ein seltsam zerlumpt aussehender Mann (Sam Rockwell) die Aufmerksamkeit der Anwesenden einfordert. Der mit einem schmutzigen Plastikcape, jeder Menge Röhrchen, Stacheldraht und Müll bekleidete Mann ist bewaffnet: mit Zünder und Sprengstoffgürtel. Er sei extra aus der Zukunft gekommen, erklärt er den erstaunten Dinerbesucher*innen, um mit einigen Auserwählten die Welt zu retten. Für ihn ist die Situation nicht neu. Dies sei bereits sein 118. Versuch, die richtigen Leute für die fast unmögliche Mission zu finden.

    Das Team, das er nach einigem hin und her zusammenstellt (u.a. eine Lehrerpaar in der Krise, eine todunglückliche Mutter und eine emotional instabil wirkende junge Frau), begibt sich alsbald auf einen irren Trip zu einem nahegelegenen Vorstadthäuschen, von dem aus der Weltuntergang in Form einer außer Rand und Band geratenen KI in Kürze seinen Anfang nehmen werde. In Rückblenden lernen wir die einzelnen Teammitglieder kennen, stellen aber auch fest, dass die Handlung in einer nicht näher definierten, aber doch recht nahen Zukunft angelegt ist, in der Vieles, was Kulturkritiker an unserer modernen Informations- und Medientechnologie bedenklich finden, schon höchst absurde und dabei doch nachvollziehbare Entwicklungen genommen hat. Mithin fragt man sich, ob der prophezeite Untergang der menschlichen Zivilisation nicht schon längst begonnen hat und ob diese Welt tatsächlich noch rettenswert erscheint.

    So muss sich das Lehrerpaar (Zazie Beets und Michael Peña) vor einer durch eine App gleichgeschalteten Horde Highschool-Schüler in Sicherheit bringen, während die verzweifelte Susan (Juno Temple) erleben muss, wie ein schrecklicher Verlust von einer gleichgültigen Gesellschaft auf groteske Weise kommerzialisiert wird. Diese Episode dürfte bei manchen Kritikern den schärfsten Widerspruch auslösen, da sie mit brutalst-satirischen Mitteln eine die USA seit Jahrzehnten heimsuchende Tragödie aufgreift. Das kann man geschmacklos finden. Gleichwohl beschreibt sie zugespitzt den Ist-Zustand einer ritualisierten Abfolge von Reaktionen der Öffentlichkeit auf eben jene Tragödie. Und dann ist da noch Ingrid (Haley Lu Richardson), eine junge Frau mit Allergie gegen W-Lan und Mobiltelefone, die der Mann aus der Zukunft gar nicht dabei haben möchte, mit der ihn aber etwas zu verbinden scheint.

    Je näher das Team seinem Ziel kommt, desto fantastischer werden die Gefahren, die es davon abhalten wollen. Das Finale wirkt gleichwohl wie der verzweifelt altmodische Versuch einem modernen Phänomen wie KI mit analogen filmischen Mitteln Herr zu werden. Das hat fast etwas Anrührendes, zeugt aber auch zugleich von einer gewissen Ideenlosigkeit. Dennoch hat der Film in seinen letzten Minuten noch ein Ass im Ärmel, der alles zuvor Gesehene noch mal auf den Kopf stellt.

    Nach seinen Multimillionendollarflops musste Gore Verbinski bei seinem Comeback mit einem vergleichsweise schmalen Budget auskommen. Scheinbar hat ihm das geholfen, sich auf seine Kernkompetenzen zu besinnen. GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE sieht teurer aus, als er ist und hält sein geneigtes Publikum von Minute Eins an bei der Stange. Seine Stars haben sichtlich Spaß an diesem absurden Abenteuer und sollte das Einspielergebnis stimmen, könnte Verbinskis zweiter (Kino)Frühling gerade beginnen.

    GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE , Regie: Gore Verbinski, Darsteller_innen: Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beets, Asim Chaudhry, Riccardo Drayton u.v.a.

    GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE läuft ab 12. März im Kino.