WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS von Ulrike Franke und Michael Loeken


„Wir haben Reichtum gegen Geld getauscht.“

Der Dokumentarfilm WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS von Ulrike Franke und Michael Loeken, einem Regie-Duo, das sich auf den Dokumentarfilm spezialisiert hat, lief bereits im Mai 2026 auf dem DOK.fest München. Nun kann man ihn auch im Kino erleben. Er startet am 1. Oktober 2026 in den deutschen Kinos. Untermalt wird der Film von spärlicher, aber atmosphärischer Musik des Streichquartetts Berlin Session Strings.

Der Filmtitel ist hier Programm: Der Film widmet sich sogenannten „Birdern“, also Vogelliebhaber:innen, die fasziniert davon sind, Vögel in freier Wildbahn zu beobachten. Birdwatching ist ein Hobby, dass es seit jeher gibt. Es handelt sich quasi um Hobby-Ornithologen. Eine Tätigkeit, bei der man sich zwangsläufig mit Fragen der Ökologie auseinandersetzen muss. Einige Vogelbeobachter:innen weisen darauf hin, wie der Artenreichtum seit Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen hat und wie viele Arten seit dem 19. Jahrhundert bereits ausgestorben sind. So treffen wir einen Birdwatcher, der von dem Willen zur Nützlichkeit der heutigen Gesellschaft spricht. Da er seit vielen Jahrzehnten schon Vögel beobachtet, fällt ihm prägnant auf, wie sehr der heimische Artenreichtum zurückgegangen ist. So spricht er davon, dass man Reichtum gegen Geld eingetauscht habe, denn unsere Kultivierung der Landschaft, biete kaum noch Lebensraum für Vögel. Das Überleben hängt von der Anpassungfähigkeit der einzelnen Vogelarten ab. Hier gibt es Gewinner und Verlierer. Ein funktionierendes Ökosystem benötigt aber nicht nur die „scheinbar“ für den Menschen nützlichen Tiere, denn es ist viel komplexer.

Wenn wir etwas beobachten möchten, müssen wir unsere Umwelt sehr genau wahrnehmen. Entsprechend hoch muss das Wissen der Vogelbeobachter:innen über Vögel sein. Und natürlich gibt es bei ihnen auch immer eine emotionale Komponente, die sehr individuell sein kann, etwa die Freude darüber, besondere Vögel zu sichten oder die Umwelt zu genießen, die um uns herum stattfindet und von der wir ein Teil sind oder auch eine „andere Welt“ kennenzulernen – die Welt der Vögel. Ein ehemaliger Fallschirmspringer, der sich nun eher als Tier versteht und bei einem Gartenprojekt mitarbeitet, erzählt im Film, das Leben der Vögel sei die Freiheit.


Laut Jonathan Franzen sind Vögel unsere Verbindung zur Natur. Der berühmte, amerikanische Schriftsteller, der im Film ebenfalls begleitet wird, beschreibt den Beginn seiner Faszination für Vögel unter anderem als ein religiöses Erweckungserlebnis, vergleichbar mit dem von Paulus auf der Straße von Damaskus. Für ihn geht es bei der Vögelbeobachtung auch darum, im Hier und Jetzt zu sein.


Ob exotisch und oder heimisch, die Faszination für Vögel ist so unterschiedlich wie die Menschen, die gezeigt werden, selbst. Es ist ein Hobby, das an das archaische Jagen und Sammeln erinnern kann. Da sind zum einen Männer, die sich fast schon auf die Lauer legen, um außergewöhnliche Vögel zu beobachten. Bestens ausgerüstet mit moderner Technik, etwa unterschiedlichsten Ferngläsern, und teils in an Tarnkleidung erinnernder Kluft unterwegs, teilen sie in diesem Film ihr Hobby. Aber auch ein Paar, das absolut begeistert von Vogelrufen ist. Vögel unterscheiden sich nämlich auch extrem anhand der Geräusche, die sie von sich geben. Eine Bäckerin, die so begeistert von Kranichen ist, dass sie jedes Mal weinen muss, wenn sie diese beobachtet. Eine ganze Gruppe von Birdwatchern unterschiedlichsten Alters und junge Mitarbeiter:innen einer Vogelwarte, die ihr Wissen über Vögel mit Besucher:innen teilen.

WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS ist ein spannungsarmer Film, aber es ist faszinierend – oder kann faszinierend sein – Birdern bei ihrem Hobby zuzuschauen und zu sehen, mit welcher Begeisterung und Akribie sie dieses verfolgen. Man erhält einen Einblick in die faszinierende Welt der Vögel, aber noch mehr in die Welt der Vogelbeobachter:innen.