"In Weißrussland besteht der Wunsch sein eigenes Land verändern zu wollen, um ein besseres Leben zu erlangen, heute noch genauso wie damals."


„Crystal Swan“ feierte seine Weltpremiere 2018 beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary.© Loco Films

Eine weitere filmische Parallele kommt mit der Schlussszene auf, die an das Ende von „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffman erinnert. Welche Filme erachten Sie als wichtig für Ihre künstlerische Ausbildung?
Ich schaue viele Filme und meine Präferenzen entwickeln und verändern sich. Um mich auf „Crystal Swan“ vorzubereiten, habe ich frühe Film von Kira Muratova und Jim Jarmusch geschaut. Ich habe mit meinem Kameramann auch die „The Conformist“ von Bernardo Bertolucci und „Ida“ von Pawel Pawlikowski nochmals angesehen. Und ich liebe den ersten Film „Smithereens“ von Susan Seidelman.

Wie haben Sie das Bild der Stadt Crystal entwickelt?
Crystal Town basiert auf einer echten Stadt, in der es eine Kristallfabrik gibt. Ich habe sie als Vorbereitung für den Film besucht. Wir konnten nicht in der echten Stadt drehen, weil das Budget zu beschränkt war, aber haben Teile davon, näher bei Minsk rekonstruiert.

Sie erzählen in Ihrem Film von den Unterschieden zwischen Menschen aus der Stadt und Menschen aus der Provinz. Der männliche Protagonist möchte sich von den dümmlichen, archaischen Stereotypen absetzen, die, seiner Meinung nach, Stadtmenschen von der Landbevölkerung haben. Wie zeichnen sich diese Unterschiede in der aktuellen Gesellschaft von Weißrussland heute ab? Und wieso haben Sie sich dafür entschieden, schließlich doch mit dem Bild zu brechen und Stepan das machen zu lassen, was er macht?
Die Stadt Crystal repräsentiert die alte patriarchalische Art zu sein, die vom historischen Trauma der sowjetischen Vergangenheit geprägt ist. Stepan gibt sich ständig kritisch gegenüber den Ideen der Protagonistin, auch wenn er ihr zugesteht, mit sich selbst einig zu sein. Das ist eine typische Situation, in der eine individualistische Haltung nicht willkommen ist, in einer Gesellschaft, in der die Gemeinschaft den Status quo bestätigen soll. Stepan ist selbst ein Opfer von Missbrauch, daher hat er keine Wahl, sondern es ist ihm ein Bedürfnis, die Protagonistin zu erniedrigen. Es handelt sich um eine Gesellschaft, in der das Individuum nicht gewinnen kann.

Die Fragen stellte Teresa Vena für Berliner Filmfestivals.

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17. November 2018 | In FilmFestival Cottbus

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