Berlinale Talents 2019: Von Fehlern, Filmen und Wünschen


1986 in Wien geboren, studierte Feigelfeld u.a. Filmregie an der dffb in Berlin. Sein vielfach prämierter Abschlussfilm „Hagazussa“ hatte nach internationalen Erfolgen seine deutsche Premiere auf dem Filmfestival Ma-Ophüls Preis 2018 und sorgte auf der Woche der Kritik für Gänsehaut und Herzflimmern. (c) Retina Fabrik

Regisseur Lukas Feigelfeld:
„Mut und Größenwahn“

Was kann sich die deutsche Filmszene vom Ausland abschauen?
Die deutsche Filmszene sollte sich – gerade was den Genre-Bereich betrifft – eine gewisse Offenheit und Experimentierfreudigkeit aus dem Ausland „abschauen“. Obwohl es gerade hier sehr wichtig ist, dass der lokale Bezug bestehen bleibt. Es gibt nichts langweiligeres als deutsche Filme, die versuchen wie Hollywood-Filme zu funktionieren.

Was war der große (berufliche) Fehler, den du wieder genauso machen würdest?
Ich hoffe, bis jetzt noch nicht zu viele Fehler gemacht zu haben – jedenfalls bin ich in Einklang damit gekommen, mich bei jedem neuen Projekt zu einem gewissen Grade im Größenwahn zu verlieren. Das kann für ein Projekt zwar gut sein, aber auch für Schwierigkeiten bei der Realisierung sorgen.

Wenn du dein Leben lang nur einen Film sehen könntest, welchen würdest du auswählen?
Schwierige Frage, es sollte ein Film sein, der möglichst viel in sich trägt, jedoch variiert dies sehr. Ich könnte mich nicht zwischen „2001 – A Space Odyssey“ und Tarkovskys „Spiegel“ entscheiden.

Was möchtest du angehenden Filmschaffenden/RegisseurInnen mit auf den Weg geben?
Viel Mut und sicherlich ein wenig Größenwahn. Es ist immer ein harter Weg, aber Kompromisse führen meistens in die falsche Richtung. Wenn man sich seiner Vision im Klaren ist, und nur dann, sollte man wissen, was man will und wenn möglich nicht davon ablassen.

Weiterlesen: Unsere ausführliche Kritik zu „Hagazussa

Was wünschst du dir für dein Metier?
Derzeit werden viele tolle Filme von tollen Talenten geschaffen, was jedoch weiterhin ein Problem ist, ist die Finanzierung und Offenheit von öffentlichen Förderstellen. Die Tendenz zum Kommerz und die Angst vor anderen Erzählstrukturen ist weiterhin dominierend. Auch braucht noch weiterhin große Schritte hin zur Gleichberechtigung von weiblichen Filmschaffenden in der Szene.

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