23. JFFB 2017: “Avanti Popolo” von Rafi Bukaee


Was als schwarze Komödie beginnt, endet in einem verstörenden Drama. Die Illusion, dass Freundschaft und Empathie über tiefsitzendes Misstrauen und Feindbilder siegen kann, zerplatzt wie eine Seifenblase, zurück bleiben Empörung und Trauer. Mit wenigen, einfachen Mitteln wie einem einförmigen, aber dennoch beeindruckenden Schauplatz, der Konzentration auf eine Handvoll Protagonisten und einem minimalistischen, aber stringenten Drehbuch hinterlässt der israelische Regisseur Rafi Bukaee ein intensives und berührendes Werk.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Film unter anderem, weil er als erste israelische Produktion für die Darstellung der ägyptischen Charaktere tatsächlich arabische Schauspieler verpflichtete. Die beiden Hauptrollen werden von Salim Dau und Suhel Haddad gespielt. Gerade Dau, oder auch Daw geschrieben, beweist ein hervorragendes komisches Talent, das er seit 1986 regelmäßig in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen unter Beweis stellt.

Für Kontroverse sorgte eine Szene im Film, in der, der von Dau gespielte Charakter, bei den israelischen Soldaten scherzhaft im betrunkenen Zustand, mit dem Vortragen des Shylocks Monologs aus Shakespeares “Der Kaufmann von Venedig“, um Mitleid bittet. Shylock ist eine jüdische Figur, die bei den Nicht-Juden für Gleichbehandlung plädiert. Hier sind die Rollen vertauscht: Die Nicht-Juden liefern sich den Juden aus.
Kurios und äußerst amüsant bleibt zudem der Moment im Film in Erinnerung, in dem aus dem Radio der israelischen Soldaten das titelgebende italienische Partisanenlied “Avanti Popolo” (auch “Bandiera Rossa” genannt) trällert und erst die beiden betrunkenen Ägypter und dann auch die Israelis drauflos singen. Das Lied gilt als Symbol der sozialistischen und kommunistischen Arbeiterbewegung, allen mitschwingenden Idealen zum Trotz ruft es zum Kampf auf, zum Einzug in den “richtigen” Krieg.

Avanti Popolo“, Regie: Rafi Bukaee, Darsteller: Salim Dau, Suleh Haddad, Tuvia Gelber, Danny Segev, Dani Roth, Barry Langford, Michael Koresh, Yuval Cohen

Termin beim 23. Jüdischen Filmfestival Berlin & Brandenburg (JFBB):
Montag, 10. Juli, 20:00 Uhr, Babylon-Mitte

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