Alfilm 2021: Vom 21. bis 30. April 2021 bei Indiekino-club.de


ADAM

Darum geht es:
Samia ist hochschwanger und lebt auf der Straße, weil sie unverheiratet ist und nirgends willkommen ist. Sie streift durch Casablanca auf der Suche nach einer Unterkunft und Arbeit, als sie auf die Backstube von Abla stösst. Diese ist Witwe und lebt mit ihrer Tochter ein fleißiges und zurückgezogenes Leben. Nur zögerlich nimmt Abla als Aushilfe bei sich auf. Die beiden Frauen kommen sich schließlich näher und können sich gegenseitig Trost spenden. Trotz der harten Lebensumstände, denen Samia ausgesetzt ist, kann sie Abla aus ihrem Schneckenhaus hervorholen und ihr neuen Lebensmut verschaffen. Die Frauen sind auf sich gestellt, denn als Alleinstehende, egal aus welchen Gründen genau, gelten sie in der patriarchalischen, marokkanischen Gesellschaft nicht als vollwertig und tendenziell gesetzwidrig. Für ihre Kinder müssen sie stark sein. Dank Samia erkennt Abla zudem, dass sie ein Recht auf persönliches Glück hat und lässt endlich die Annäherungsversuche ihres Verehrers zu.

Was du zum Film wissen musst:
Die marokkanische Regisseurin Maryam Touzani verarbeitet in ihrem Drama teilweise eigene Erfahrungen. Sie thematisiert ein schwerwiegendes Thema der marokkanischen Gesellschaft, das viele junge Frauen im Land betrifft. Geschlechtsverkehr ist per Gesetz nur innerhalb der Ehe erlaubt. Kommt es zur Anklage, wird der Frau Prostitution und dem Mann Vergewaltigung vorgeworfen. Beiden droht eine Gefängnisstrafe, die in den meisten Fällen auch umgesetzt wird. Frauen trifft diese Gesetzeslage meist härter, vor allem, wenn sie aus der bereits illegalen Verbindung illegal unverheiratet schwanger werden. Von den Familien verstossen, kommen sie entweder in Haft oder leben von der Gesellschaft geächtet. Bis sie das Kind gebären, müssen sie sich durchschlagen. Einige von ihnen werden dann eventuell das Kind los und können zu ihren Familien zurückkehren. Darauf baut ADAM auf. Der Film zeichnet das Bild zweier auf ihre Art stolze Frauen, die ihren Sinn für Solidarität und ihren Lebenswillen nicht verloren haben, obwohl man ihnen jeglichen Wert abgesprochen hat und sie der Unwürdigkeit beschimpft. Die Härte der Handlung bricht die Regisseurin mit einem feinen Sinn für Humor, der sich zum Beispiel im Zusammenspiel zwischen Abla und ihrem Verehrer zeigt. Ein herausragendes Schauspielerensemble trägt den Film, allen voran Lubna Azabal, die eine internationale Karriere vorweisen kann. – TV

ALL THIS VICTORY

Darum geht es:
Es ist 2006 im Libanon. Marwan und seine Frau wohnen in Beirut, sind aber kurz davor, in den Westen auszuwandern. Sie warten nur noch auf ihr Visum. Marwans Vater lebt im Süden des Landes, das im Auge des Gefechts zwischen Israel und der libanesisch-islamistischen Miliz Hisbollah liegt. Marwan will einen angeblichen Waffenstillstand nutzen, um seinen Vater, der dort lebt, abzuholen und nach Beirut zu bringen. Bei der Ankunft liegt das Haus des Vaters in Schutt und Asche, der Vater ist nirgends zu finden. Im Haus der Nachbarn stösst er auf zwei ältere Herren, die sich im Haus verschanzen. Bevor Marwan sie überzeugen kann, mit ihm wegzufahren, fangen die Kämpfe wieder an.

Was du zum Film wissen musst:
In dieser libanesisch-französischen Produktion des Regisseurs Ahmad Ghossein geht es um den Krieg, auch wenn er nur sehr marginal tatsächlich ins Bild geholt wird. Das zerstörte Wohnquartier ist sicherlich sehr beeindruckend, doch hauptsächlich spielt sich die Handlung im Innern statt und unterstreicht die äußere Bedrohung durch das Evozieren einer klaustrophobischen Stimmung, die vom begrenzten Schauplatz abhängt. Dem Regisseur gelingt eine Mischung zwischen Ernst und leichter Ironie, auch wenn die Charaktere nicht ganz so eine tiefgründige Zeichnung aufweisen. – TV

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12. April 2021 | In Arab Filmfestival

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