66. Berlinale: „Hail, Caesar!“ von Ethan und Joel Coen


Channing Tatum in "Hail Caesar!", dem Berlinale-Eröffnungsfilm der Coens. © Universal Pictures

Channing Tatum in „Hail Caesar!“, dem Berlinale-Eröffnungsfilm der Coens. © Universal Pictures

So ist „Hail, Caesar!“ nun in erster Linie Ensemblefilm und Subplot-Collage. Die besten Szenen haben wenig bis gar nichts mit der Haupthandlung zu tun. Wenn Burt Gurney (Channing Tatum) im Matrosenkostüm steppt und eng umschlungen mit seiner Kompanie tanzt, die schwangere DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) sich aus einem zu engen Meerjungfrauenkostüm befreien lassen muss oder Tilda Swinton in einer Doppelrolle brilliert, dann ergibt „Hail, Caesar!“ zwar nicht unbedingt Sinn, unterhält dafür aber umso besser.
Die beste Szene findet zwischen den beiden heimlichen Größen des Films statt. Laurence Laurentz (Ralph Fiennes), Regisseur tief schürfender Melodramen, bemüht sich darum, den Westernstar Hobie Doyle (Arden Ehrenreich) in seiner ersten richtigen Sprechrolle zu inszenieren und scheitert Take für Take. Dialoge und Darstellung des Setbetriebs muten anfangs als alberner Klamauk an, sind aber so originell geschrieben und gespielt, dass sie auf ganzer Linie überzeugen können.

Das Problem an „Hail, Caesar!“ ist, dass es sich bei dem Film in erster Linie um eine Hommage handelt und eher nebensächlich auch um einen eigenständigen Film. Es fehlt an einer stringenten Narration, die alle Nebencharaktere einbindet. Das Gesamtwerk kommt zwar ungewohnt leichtfüßig und kurzweilig daher, zählt aber dennoch nicht zu den starken Filmen der Coen-Brüder, die mit „The Big Lebowski“ bereits 1998 ihr Talent für die gewagte Komödie unter Beweis stellten. „Hail, Caesar!“ scheint hektisch, als wolle man mehr als in 106 Minuten möglich ist und verliert dabei seinen Fokus. Der Film verzichtete darüber hinaus auf wirkliche Antagonisten. Alle Charaktere, vom Filmproduzenten bis zum Entführer, sind liebenswert, im schlimmsten Fall etwas exzentrisch und verschroben. Dementsprechend gering ist das Konfliktpotential.

Trotz allem ist „Hail, Caesar!“ mit seiner überspitzten Darstellung und dem großen Staraufgebots bis in die kleinsten Nebenrollen (unter anderem Jonah Hill und Oscar Isaac) ein schillerndes Spektakel, das sich nicht nur für die große Leinwand eignet, sondern auch dafür, ein Festival vom Ausmaß der Berlinale zu eröffnen. Ein Film, der dem Filmemachen huldigt.

Emily Grunert

Hail, Caesar!„, Regie: Ethan und Joel Coen, DarstellerInnen: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, u.a., Kinostart: 18. Februar 2016

Termine bei der 66. Berlinale:
Donnerstag, 11. Februar, 19:30 Uhr, Berlinale Palast
Donnerstag, 11. Februar, 20:30 Uhr, Friedrichstadt-Palast
Freitag, 12. Februar, 11:00 Uhr, Friedrichstadt-Palast

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