Regisseurin Borchu: "Sex ist etwas Besonderes, aber auch etwas Stinknormales"


Regisseurin und Hauptdarstellerin von "Schau mich nicht so an": Uisemnas-Borchu! Foto: Zorro Filmverleih

Regisseurin und Hauptdarstellerin von “Schau mich nicht so an”: Uisemnas-Borchu! Foto: Zorro Filmverleih

Berliner Filmfestivals traf die Regisseurin Uisenma Borchu zum Gespräch im Kino Moviemento. Ihr Spielfilm “Schau mich nicht so an” lief hier als Abschlussfilm des 11. XPOSED Festivals. Der Film konnte bereits einige Preise gewinnen wie den Bayerischen Filmpreis für Nachwuchsregie und den FIPRESCI International Critics Prize beim Filmfest München. Es ist Uisenma Borchus erster Spielfilm. Ein Gespräch über Film, Frauen und die ewige Suche nach Identität.

Uisenma, wie bist du auf die Idee gekommen, diesen Film zu machen?
Uisenma Borchu:
Ich habe bisher Dokumentarfilme über Frauen gemacht. Wenn man mitbekommt wie Frauen sich gegenseitig behandeln in so extremen Drucksituationen wie mit Kind, im Beruf oder in der Schule: Da kann ich sehr gut sehen, wie die Charaktere sich entwickeln. Wir Frauen reden immer davon, wie wir uns gegenseitig stützen müssen, um gegen diese Männerwelt anzukommen, aber was Frauen sich gegenseitig antun, unter dem Druck, der von Männern seit Jahrhunderten aufgebaut wurde, ist total interessant. Diese Charaktere wollte ich herauslesen.

Weiterlesen: Michaela Grouls Kritik “Erfrischend und herausfordernd: Uisenma Borchus Spielfilmdebüt“…

Du arbeitest als Regisseurin in einer Männerdomäne. Macht sich das für dich bemerkbar?
Das merkt man sehr stark. Das macht mich natürlich auch sauer. Man braucht überhaupt keine Feministin zu sein, um zu sehen, dass wir in einer Demokratie leben, die nicht demokratisch ist. Diese ganze Heuchelei muss man mal wegpusten. In den letzten Monaten ist diese Debatte wieder hochgekommen. Es ist peinlich, dass wir überhaupt noch damit beschäftigt sind. Daher muss die Quote für eine gewisse Zeit her, um diesem Automatismus, der ja schon seit Ewigkeiten existiert, entgegenzuwirken. Jetzt mit Cannes, mit Maren Ade, ist das ein super Push für uns Regisseurinnen und für den deutschen Film. So etwas hilft, um zu zeigen, dass auch die Frau Filme machen kann und dass sie genauso “kommerziell” sein kann.

Jetzt da du Cannes ansprichst: Dein Film läuft gut auf Festivals und du hast einige Preise gewonnen, wie etwa den Bayerischen Filmpreis. Was bedeutet das für dich?
Es ist ganz toll, wenn man mit dem Publikum in Berührung kommt und dass das Publikum auch einen Dialog aufgebaut hat mit deinem Film. Dafür machst du Filme. Das finde ich das Allerwichtigste, dass jemand reagiert – nicht weil der Film nett ist. Ich mache keinen netten und hübschen Film, sondern er muss den Menschen bewegen.

Das scheint also ein Grund von dir zu sein, warum du Filme machst. Was ist deine Hauptmotivation?
Die Faszination liegt darin, dass du etwas spürst, eine Vision hast und es geht im Film um das Visualisieren. Für mich geht es nicht darum, Geschichten zu erzählen, sondern dass du eine Wirkung erzielst, dass der Mensch in diesen paar Stunden reagiert. Das Lustige daran ist, dass du nie eine Befriedigung findest. Es geht also immer weiter.

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10. Juni 2016 | In XPOSED International Queer Film Festival | Kommentare deaktiviert

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