Ein Blick in die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ der Deutschen Kinemathek


Ausstellungsansicht „Inventing Queer Cinema“ © Henning Koch
Ausstellungsansicht „Inventing Queer Cinema“ © Henning Koch

Besser spät als nie

Anfang des Jahres hat die Deutsche Kinemathek die Halle im E-Werk als neuen (Zwischen-)Standort eröffnet. In der ersten Ausstellung „Inventing Queer Cinema“, die noch bis zum 13. September 2026 läuft, stehen Filmemacher*innen und ihre Werke im Fokus, die das queere Kino vor allem in Deutschland entscheidend geprägt haben. Der Begriff des „queeren Kinos“ wird dabei weit gefasst und beinhaltet Filme, die sich (hetero)normativen Ordnungen entziehen, gängige Filmkonventionen hinterfragen oder diese vollständig überwinden. Die Ausstellung ist auch den Akteur*innen gewidmet, die diese Filme sichtbar gemacht haben; allen voran Manfred Salzgeber, dessen Verleih ab Mitte der 1980er Jahre einer der wichtigsten Wegbereiter für den schwulen und lesbischen Film in Deutschland war. Im Jahr 2024 hat die Deutsche Kinemathek den analogen Filmbestand des Salzgeber Verleihs übernommen. Von der ersten Ankündigung der Kooperation bis zur Umsetzung sind rund zwei Jahre vergangen, was angesichts institutioneller Gemächlichkeiten und des zwischenzeitlichen Umzugs der Kinemathek ein überschaubarer Zeitraum ist.

Obwohl queere Geschichten im Film schon weitaus früher erzählt wurden, als häufig angenommen, beschränkt sich die Anzahl der überlieferten Pionierwerke auf wenige Beispiele. Der Prolog zeigt die wichtigsten Momente, vom Weimarer Stummfilm ANDERS ALS DIE ANDERN (1919), der als erster Film mit homosexueller Thematik in die Filmgeschichte eingegangen ist, hin zu dem einflussreichen Tonfilm MÄDCHEN IN UNIFORM (1931), der das lesbische Kino maßgeblich geprägt hat. Die Kinemathek tut hier wirklich ihr Bestes, um die verfügbaren Materialien, darunter Filmausschnitte, Dokumente und Kostüme, auf klassische Weise zu präsentieren.

Ausstellungsansicht „Inventing Queer Cinema“ © Jonas Walter
Ausstellungsansicht „Inventing Queer Cinema“ © Jonas Walter

Das Herzstück der Ausstellung beginnt jedoch weitaus später, nämlich ab den 1970er Jahren mit Rosa von Praunheims († 2025) ikonischem Fernsehfilm NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN DIE SITUATION, IN DER ER LEBT (1971), dem eine eigene Videoinstallation über dessen Rezeptionsgeschichte gewidmet ist. Im weiteren Verlauf werden nicht die Biografien prominenter queerer Regisseur*innen im Fokus gerückt, sondern deren Filme. Natürlich werden auch die Werke von Derek Jarman, Monika Treut, Elfi Mikesch und Isaac Julien erwähnt, sie stehen jedoch gleichbedeutend neben aktuellen Beispielen aus den vergangenen Jahren wie DRIFTER von Hannes Hirsch, KOKON von Leonie Krippendorff oder FUTUR DREI von Faraz Shariat. Dabei überzeugt die fluide Ausstellungsgestaltung mit rund 250 in der Luft baumelnden Bildern, Zitaten und Momentaufnahmen, die der Kurator Björn Koll, der den Filmverleih Salzgber von 1990 bis 2023 leitete, augezwinkernd als sein „Lebenswerk“ bezeichnet. Wie Koll berichtet, war das US-amerikanische aktivistische Drama BUDDIES (1985) von Arthur J. Bressan Jr. ein wichtiges Schlüsselwerk, um die „Edition Manfred Salzgeber im Sputnik Kino Berlin“ zu begründen. Denn Manfred Salzgeber war frustriert, dass der erste Spielfilm, der sich mit der AIDS-Epidemie befasste, keinen Verleih in Deutschland fand.

Die wilde Anordnung quer durch die Epochen bis zur Gegenwart ist nichtlinear erzählt, will nicht kanonisieren und erhebt keinen Anspruch, die Geschichte des queeren Kinos allumfassend wiederzugeben. So steht die klassische Zeitleiste mit politischen und gesellschaftlichen Kontexten, die einen chronologischen Überblick liefern soll, fast schon verschämt am hinteren Ende der Ausstellung neben der riesigen Dreikanal-Videoinstallation, die Ausschnitte aus einigen von Kolls Lieblingsfilmen verbindet. Abgesehen von wenigen Ausnahmen ist das Ganze hemmungslos eurozentrisch gestaltet und mit Blick auf die Zeit während der deutschen Teilung auch betont westberlinerisch geprägt – was wenig überraschen sollte. Denn Heiner Carows COMING OUT war 1989 die erste DEFA-Produktion mit schwuler Thematik und feierte erst am Tag des Mauerfalls im Kino International seine Premiere. Ergänzende Inhalte liefern zwei Medienstationen am Rande: In „Manfreds Box“ werden die Vermittlungstätigkeiten von Manfred Salzgeber anhand von Interviews und Vorträgen präsentiert. Und im „Fokus Fernsehen: Queer!” werden Einblicke in die Fernsehwelt von Filmen und Serien über Reality-TV bis hin zu Talkshows eröffnet. Es ist eine große Leistung der Ausstellung, dass die Materialmenge nicht erdrückend wirkt. Der Raum bietet Anknüpfungspunkte und lädt zu Auseinandersetzungen ein. Man bekommt nie das Gefühl, schon alles gesehen zu haben. Vielmehr, dass es hier noch so viel mehr zu entdecken gibt.

Ausstellungsansicht „Inventing Queer Cinema“ © Jonas Walter
Ausstellungsansicht „Inventing Queer Cinema“ © Jonas Walter

Ausreichend Zeit sollte man auf jeden Fall mitbringen, denn im Obergeschoss des E-Werks geht es in der sogenannten „Schatzkammer“ weiter. Hier werden einige Objekte aus dem Archiv des Salzgeber Verleihs präsentiert. Im Kontrast zwischen der Camp-Ästhetik der Ausstellung und der rostigen industriellen Kulisse des Schaltwerks sind Festivalkataloge, Bücher, Wäschekörbe voller VHS-Tapes und zahlreiche kuriose Kleinode zu finden, die einen ganz pragmatischen Eindruck der Sammel- und Verleihtätigkeit vermitteln. Bei genauerem Hinsehen erfährt man beispielsweise, dass die Filmbüchsen des in der Sowjetunion entstandenen und dort verbotenen Films 100 TAGE, GENOSSE SOLDAT (1990) von Hussein Erkenov im Jahr 1994 auf abenteuerliche Weise im Schlafwagen von Moskau nach Berlin transportiert wurden.

Die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ ist dringend notwendig, geradezu überfällig. Denn obwohl viele Materialien von queeren Filmschaffenden in der Sammlung vorhanden sind, hatte sich die Deutsche Kinemathek in ihren Ausstellungen bisher nicht explizit mit dieser Thematik befasst. „Besser spät als nie“, wie die Leiterin Heleen Gerritsen versöhnlich anmerkt. Das macht Hoffnung, dass die Kinemathek am neuen Standort in Zukunft weitere Lücken schließen und bisher übersehene Themen aufgreifen will. Wie wäre es zum Beispiel mit dem migrantischen Film in Deutschland?

Henning Koch

Empfehlungen der BFF-Redaktion aus dem Filmprogramm „Inventing Queer Cinema“

Die Ausstellung wird von einem Filmprogramm im Studiokino der Kinemathek mit 28 Plätzen begleitet, das der Kurator Björn Koll liebevoll als „die größte queere Retrospektive im kleinsten Kino“ bezeichnet. Zu sehen gibt es 96 Werke aus sieben Jahrzehnten; darunter zahlreiche Filme aus dem Programm von Salzgeber. Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Ein Beginn also, statt eine abschließende Bestandsaufnahme, von dem aus man sich auf die weitere Suche machen kann. Hier sind die Tipps und Highlights der BFF-Redaktion:

THE TIMES OF HARVEY MILK

Regie: Rob Epstein, Richard Schmiechen, USA 1984

THE TIMES OF HARVEY MILK © Salzgeber
THE TIMES OF HARVEY MILK © Salzgeber

Darum geht es:
San Francisco in den 1970er Jahren. Rund um die Castro Street ist eine bunte schwul-lesbische Szene entstanden, in der Harvey Milk als Anwalt und später als Lokalpolitiker Karriere macht. In diesem spezifischen Umfeld gelingt es Milk als erstem offen homosexuellen Politiker in den Vereinigten Staaten in ein öffentliches Amt gewählt zu werden. Elf Monate später wird Milk von dem konservativen Stadtrat Dan White erschossen.

Was du zum Film wissen musst:
Als Vorreiter schwuler Selbstermächtigung wurde Harvey Milk zur LGBTQ-Ikone. Zwanzig Jahre nach seinem Tod widmete ihm Gus Van Sant das populäre Biopic MILK, das Sean Penn einen zweiten Oscar als bester Hauptdarsteller einbrachte. Schon 1984 stellten Epstein und Schmiechen seltene Archivaufnahmen und Interviews von Vertrauten Milks zu diesem beeindruckenden Dokumentarfilm zusammen, der seinen Protagonisten als charismatische und emphatische Persönlichkeit zeichnet. THE TIMES OF HARVEY MILK schrieb 1985 selbst Geschichte, als er als erster Dokumentarfilm mit LGBTQ-Bezug und als erster Film von zwei offen homosexuellen Regisseuren den Oscar gewann – auf dem Höhepunkt der AIDS-Hysterie und des von der Reagan-Regierung befeuerten soziokulturellen Backlashs. – TH

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Samstag, 30.05.2026, 10:00 Uhr & 14:00 Uhr

RAFIKI

Regie: Wanuri Kahiu, KE 2018

RAFIKI © Salzgeber
RAFIKI © Salzgeber

Darum geht es:
Kena (Samantha Mugatsia) ist selbstbewusst und willensstark. Sie geht ihren eigenen Weg und hat Träume. Sie möchte studieren und eine Karriere beginnen. Die Avancen von Männern schlägt sie ab. Kena entwickelt jedoch Gefühle für Ziki (Sheila Munyiva), die gleichaltrige Tochter des politischen Konkurrenten ihres Vaters. Und auch Ziki empfindet ähnlich. Doch gleichgeschlechtliche Liebe ist in Kenia illegal …

Was du zum Film wissen musst:
Der kenianische Film RAFIKI (2018) von Wanuri Kahiu ist ein wichtiger und kraftvoller Film und hat dabei einen wunderbaren Erzählfluss. Aufgrund des homosexuellen Themas war der Film in Kenia verboten. Zugleich war er der erste kenianische Film, der beim Filmfestival in Cannes lief. Wir können nur dankbar sein, dass der Film auch hierzulande im Kino lief und uns so nähergebracht hat, welch großartige Regie-Talente und Geschichten die kenianische Filmlandschaft bereichern. RAFIKI war für zahlreiche internationale Preise nominiert und konnte einige gewinnen. – MG

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Donnerstag, 30.07.2026, 14:00 Uhr
Freitag, 31.07.2026, 16:00 Uhr

HERZSTEIN

Regie: Guðmundur Arnar Guðmundsson, DK/IS 2016

HERZSTEIN © Roxana Reiss, Fræ Films, Join Moti
HERZSTEIN © Roxana Reiss, Fræ Films, Join Moti

Darum geht es:
Ein Sommer in den östlichsten Fjorden Islands: In dieser so wuchtigen und gleichzeitig so trostlosen Einöde versuchen Thor und Kristián zwischen unbeschwerten Kindertagen und dem Hineinwachsen in die Welt der Erwachsenen ihren Platz im Leben zu finden. Beide erleben das erste Mal dieses Kribbeln im Bauch. Doch während Thor sich der Zuneigung eines Mädchens gewiss sein darf, kämpft Kristián mit unausgesprochenen Gefühlen, die ihn und die Freundschaft zu seinem besten Freund zu zerreißen drohen.

Was du zum Film wissen musst:
Guðmundur Arnar Guðmundsson gelingt mit seiner Coming-of-Age-Geschichte ein magisches und vielfach preisgekröntes Regiedebüt, für das u.a. die kanadische Band Patrick Watson mit „Lighthouse“ den melancholischen Sound beisteuert. Neben den beiden Hauptdarstellern rückt der Regisseur die erhabene Wildnis Islands als dritten Protagonisten ins Zentrum seiner Story und Bilder. In der Ungezähmtheit dieser Landschaft spiegelt sich die aufgewühlte Gefühlswelt der beiden Freunde wider. Frei nach Goethe ließe sich der Film in einem Satz zusammenfassen: „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.“ – SuT

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Samstag, 15.08.2026, 10:00 Uhr & 14:00 Uhr

TAXI ZUM KLO

Regie: Frank Ripploh, BRD 1980

Taxi zum Klo © Salzgeber
Taxi zum Klo © Salzgeber

Darum geht es:
Frank ist Lehrer an einer Berliner Schule und genauso „normal, alltagsmüde, neurotisch und polymorph-pervers“, wie seine Kollegen. So beschreibt er sich zumindest, wenn er auf Tour durch das Berliner Nachtleben geht. Als er eines späten Abends am Kinotresen Bernd kennenlernt, versuchen sie es mit einer klassischen Paarbeziehung. Doch immer wieder zieht es ihn hinaus in die Nacht, in die Klappen, Herrensaunen und Bars der Stadt. „Warum haue ich eigentlich immer dann ab, wenn’s eigentlich ganz nett und gemütlich ist?“, fragt er sich. Doch dann vermischt sich das Chaos ihrer offenen Beziehung erneut auf unterhaltsame Weise mit seinem spießigen Lehrerleben beim Kegeltreff oder im Schulunterricht.

Was du zum Film wissen musst:
Frank Ripploh zeichnet in TAXI ZUM KLO seine augenzwinkernden und verspielt-vulgären Streifzüge durch die Westberliner Szene vor der AIDS-Ära, die seinen heterosexuellen Kollegen und wahrscheinlich auch vielen homosexuellen Zeitgenossen vorenthalten geblieben sind. Dabei ist der Film auf selbstironische Weise auch autobiografisch geprägt. 1978 erschien Ripploh mit seinem öffentlichen Coming-out als schwuler Lehrer auf dem Cover der Zeitschrift Stern und spielte in einigen Filmen von Rosa von Praunheim, Ulrike Ottinger, Elfi Mikesch und Rainer Werner Fassbinder mit. Sein Regiedebüt TAXI ZUM KLO wurde 1981 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet und 2019 ohne öffentliche Förderung restauriert. – HK

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Freitag, 29.05.2026, 14:00 Uhr
Samstag, 30.05.2026, 16:00 Uhr

I AM NOT YOUR NEGRO

Regie: Raoul Peck, USA/F/BE/CH 2016

I AM NOT YOUR NEGRO © Salzgeber
I AM NOT YOUR NEGRO © Salzgeber

Darum geht es:
Mit I AM NOT YOUR NEGRO hat Regisseur Raoul Peck einen tief berührenden Film geschaffen, indem er James Baldwins Text „Remember this House“ von US-Schauspieler Samuel L. Jackson einsprechen lässt und mit Dokumentaraufnahmen kommentiert. I AM NOT YOUR NEGRO zeigt, dass alle Menschen etwas tun müssen, um ein Statement gegen Rassismus und Unterdrückung zu setzen. Dadurch ist dieses Filmessay unbequem, im besten Sinne: Baldwins Worte rufen dazu auf, das eigene Handeln, die eigenen Ansichten zu hinterfragen und aktiv zu werden.

Was du zum Film wissen musst:
Raoul Peck ist nicht nur Regisseur des Films. Zusammen mit Rémi Grellety und seinem Bruder Hébert Peck hat er I AM NOT YOUR NEGRO auch produziert. Der Film wurde 2016 bei den Los Angeles Film Critics Association Awards als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet und gewann 2017 den Panorama Publikumspreis in derselben Kategorie bei der Berlinale. Im gleichen Jahr wurde er außerdem für den Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm” nominiert. – MG

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Donnerstag, 18.07.2026, 14:00 Uhr
Freitag, 19.07.2026, 16:00 Uhr

TROPICAL MALADY

Regie: Apichatpong Weerasethakul, TH/F/D/I 2004

TROPICAL MALADY © Strand Releasing
TROPICAL MALADY © Strand Releasing

Darum geht es:
Der Soldat Keng verliebt sich in den Dorfjungen Tong. Nachdem dieser zögerlich auf das Werben Kengs eingeht, ändert der Film seine Richtung. Keng folgt einem Schamanen in den Dschungel und verliert sich immer tiefer in einer mysteriösen Zwischenwelt, in der sich der Schamane in verschiedene Tiere u.a. in einen Tiger verwandeln kann. Keng muss sich entscheiden, ob er den Tiger erlegen oder sich ihm ergeben soll.

Was du zum Film wissen musst:
Mit TROPICAL MALADY erschien Thailand 2004 auf der Weltkarte des Kinos. Das rätselhafte Werk sprengt gängige Erzählstrukturen, verarbeitet thailändische Volkssagen und stellt ebenso selbstverständlich wie traumwandlerisch eine schwule Liebe ins Zentrum. Der für westliche Sehgewohnheiten unkonventionelle Film löste bei den Filmfestspielen in Cannes unterschiedlichste Reaktionen aus – von Begeisterung bis schroffer Ablehnung – und wurde am Ende mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Regisseur Weerasethakul ist inzwischen ein gern gesehener Gast bei den großen Filmfestivals und gewann sechs Jahre später mit dem nicht weniger rätselhaften UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN die Goldene Palme. TROPICAL MALADY landete 2022 in der Sight And Sound-Liste der „Größten Filme aller Zeiten“ in der Top 100. – TH

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Freitag, 29.05.2026, 16:00 Uhr
Samstag, 30.05.2026, 12:00 Uhr

MESSER IM HERZ

Regie: Yann Gonzalez, F 2018

MESSER IM HERZ © Salzgeber
MESSER IM HERZ © Salzgeber

Darum geht es:
Für Anne (Vanessa Paradis), eine erfolgreiche Produzentin von Schwulenpornos, bricht eine Welt zusammen, als sich die Filmeditorin Loïs (Kate Moran) nach vielen gemeinsamen Jahren von ihr trennt. Verzweifelt schmiedet Anne einen Plan, um Loïs zurückzugewinnen. Währenddessen kommt es zu Morden an schwulen Männern aus der Pornoszene. Die Loïs nachtrauernde Anne beschließt, den Serienmörder auf eigene Faust zu finden.

Was du zum Film wissen musst:
MESSER IM HERZ ist ein fantastischer Film. In poetischen, faszinierenden und hypnotischen Bildern schildert er die Lebensrealität von Anne. Anne ist eine einnehmende Figur. Ihr Narzissmus wird schnell deutlich, und man versteht, weshalb sich Loïs womöglich von ihr getrennt hat. Gleichzeitig ist Annes Leid über den Verlust ihrer großen Liebe so roh, dass es den Film wunderbar erdet, und man fühlt mit ihr und ihren zerbrechlichen Gefühlen. Der Fokus auf eine erfolgreiche, lesbische Frau mittleren Alters mit gebrochenem Herzen in einem sehr campy Kunstfilm ist eine erfrischende Mischung. Für die Spannung sorgt die Geschichte rund um den Serienmörder und Annes Versuche, mithilfe ihrer Film-Crew den Täter zu fassen. Vanessa Paradis und Kate Moran spielen großartig auf, und auch der Rest des Casts weiß mehr als zu überzeugen. Für Fans des europäischen Kinos der 90er sind sicher auch die Auftritte der Schauspielerinnen Romane Bohringer und Elina Löwensohn Highlights. Seit MESSER IM HERZ hat Regisseur Yann Gonzalez keinen Langfilm mehr als Regisseur verantwortet. Das soll sich bald ändern. Sein nächster Langfilm befindet sich in der Postproduktion. Wieder mit Vanessa Paradis im Cast. – MG

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Sonntag, 23.08.2026, 12:00 Uhr & 16:00 Uhr, Studiokino der Kinemathek

PINK NARCISSUS

Regie: James Bidgood, USA 1971

PINK NARCISSUS © British Film Institute
PINK NARCISSUS © British Film Institute

Darum geht es:
Bobby Kendall spielt die Rolle eines Prostituierten, der sich in seiner Wohnung erotischen Tagträumen als Torero mit einem Motorradfahrer, römischer Sklave oder hemmungsloser Tänzer in einem Harem hingibt. Dabei bewundert er als Narziss vor allem auch sein eigenes Spiegelbild. Die Handlung des Experimentalfilms orientiert sich an der traumwandlerischen Impulsivität des amerikanischen Avantgarde-Kinos von Kenneth Anger oder Maya Deren.

Was du zum Film wissen musst:
James Bidgoods PINK NARCISSUS ist sicherlich der epischste Schmalfilm, der jemals das Licht der Leinwand erblickt hat. Über einen Zeitraum von fast sieben Jahren verwandelte der Kostümbildner und Fotograf seine Privatwohnung in Manhattan in ein glitzerndes Filmset, um seine homoerotischen Fantasien auf 8- und 16-mm-Film zu bannen. Nach Streitigkeiten mit den Geldgebern zog er seinen Namen zurück, weshalb im Abspann „Anonymous“ angeführt wird. Das Ergebnis von Bidgoods einziger Regiearbeit ist ein hypnotischer Filmrausch, der verschiedenste Techniken wie Überblendungen, Zeitlupenaufnahmen, Stop-Motion-Animationen und wilde Kameraperspektiven kombiniert. In der neuen 4K-Restaurierung des UCLA Film & Television Archive kann der Film endlich wieder in seiner vollen Pracht erstrahlen. – HK

Termine bei „Inventing Queer Cinema“
Samstag, 13.06.2026, 12:00 Uhr & 16:00 Uhr