Around the World in 14 Films: Festivalkino für Berlin

14 Films 2018: Cinema is bigger than life



Around the World in 14 Films macht in seiner 13. Ausgabe häufig Stopp in Lateinamerika, Asien und Afrika und legt mit Susanne Bieger nun noch stärker den Fokus auf die Frauen im Film

Vorfreude, schönste Freude. Die 13. Ausgabe von Around the World in 14 Films steht in den Startlöchern und spült 2018 einen wahren Filmregen in die Kinos der KulturBrauerei. In diesem Jahr heißt es 14 plus 13. Man ist fast versucht, von einer Art Erntedankfest der bis hierher gelaufenen Festivalsaison zu sprechen. Von wegen verflixte 13.

27 Filme aus Venedig, Sundance, Cannes, Toronto, Locarno und San Sebastian warten auf ihr Publikum und gefüllte Säle. Etwas weniger als die Hälfte der Filme, elf um genau zu sein, haben auch in diesem Jahr wieder keinen Verleiher, so dass sie möglicherweise nur einmal auf der großen Leinwand zu sehen sind. Mehr als tragisch, denn Bernhard Karls Auswahl setzt oft v.a. auch auf visuell herausragende Filme, die erst auf großer Leinwand ihre Sogwirkung vollends entfalten können. Die Tatsache, dass diese Filme schließlich maximal noch das Licht der Welt im Heimkino über Rechnerdisplays oder auf zu kleinen Bildschirmen erblicken, ist als hätte man einem prächtigen Falter die Flügel abgebunden. Cinema is just bigger than life! Umso schöner ist es, dass Around the World in 14 Films mit seinem Konzept nicht nur Einblicke ins poetisch und sinnlich verpackte Weltgeschehen ermöglicht, sondern die Zuschauer mit einem Potpourri aus Filmschätzen verwöhnt.

Zu den herausragenden Filmen, die noch ohne Verleiher dastehen, zählen Nuri Bilge Ceylans neues Werk „The Wild Pear Tree“ (2014 lief bei 14 Films sein wunderbarer Film Winterschlaf„, hier unsere Kritik), Jennifer Fox‘ eindringliche Reflektion zur #MeToo Debatte „The Tale„, der sudanesische Beitrag „The Roundup“ von Hajooj Kuka, der vielfach preisgekrönte syrische Beitrag „Still Recording“ von Ghiath Alhadda Ayoub, Yeo Siew Huas „A Land Imagined“ aus Singapur, Benjamin Naishtats „Rojo“ aus Argentinien, der Kultfilm von Kritikerliebling Apichatpong Weerasethakul aus Thailand aus dem Jahr 2010 sowie der südkoreanische Film „Burning“ von Lee Chang-dong, Chinas Beitrag, der in Anteilen an die Ästhetik von Wong Kar-Wei und Tsai Ming-Liang erinnert, „Long Day’s Journey Into Night“ (3D!) von Bi Gan, der aus Kanada stammende „Genesis“ von Philippe Lesage und der für das in diesem Jahr neu eingeführte Frauenpanel so wichtige Beitrag aus Marokko, Meryem Benm’Bareks „Sofia„.

Neu ist seit diesem Jahr, dass Susanne Bieger, langjähriges Teammitglied bei 14 Films, mit Bernhard Karl eine Doppelspitze bildet. Sie ist für das Management und die Gäste zuständig und hat mit Amtsantritt ein neues Format gegründet, das sich künftig mit dem Thema Frauen und Film beschäftigen wird. In seiner ersten Ausgabe setzt sich das Panel mit dem Thema: „Gender, Intersektionalität und deren Bedeutung für komplexe Frauenfiguren“ auseinander. Im Gespräch ist die studierte Kulturanthropologin und Stoffentwicklerin, Dramaturgin und Übersetzerin am Samstag mit Cristina Gallego („Birds of Passage„), Ash Mayfair („The Third Wife„) und Céline Perreard („Sofia„). Der Eintritt ist frei. Den Umstand, dass in der 13. Ausgabe wieder nur ein Viertel der Filme aus Frauenhand stammt, gleicht das Panel geschickt aus.

Zu den Highlights im Programm zählen neben den bereits erwähnten Jafar Panahis rätselhafter neuer Film „Three Faces“ und der ebenso chiffrierte „Sunset„, der neue Film von Laszlo Nemes. Außerdem ist Claire Denis mit ihrer ersten englischsprachigen Produktion „High Life„, für den Olafur Eliasson die Ausstattung übernahm, ebenso im Programm vertreten wie Paul Danos unglaubliches Regiedebüt „Wildlife“ und das einfühlsame Familienporträt des Japaners Hirokazu Koreeda „Shoplifters„, der Gewinner der Goldenen Palme in Cannes 2018.

Am herausforderndsten dürfte in diesem Jahr Carlos Reygadas‘ „Our Time“ sein, der quasi als Gegenentwurf zu #MeToo Debatte gelesen werden kann und vor toxischer Männlichkeit fast überschäumt. Eine Nabelschau der besonderten Art. Und auch Jan Bonnys deutscher Beitrag „Wintermärchen“ ist nicht zimperlich mit dem Zuschauer.
Ab Donnerstag heißt es: In 10 Tagen um die Welt. Das Warten hat ein Ende.

SuT

Da 13. Weltkinofestival Around the World in 14 Films findet vom 22. November bis 1. Dezember 2018 im Kino in der KulturBrauerei statt. Auf der Festival-Homepage findet ihr hier das komplette Programm und weitere Informationen zu den Filmen als Timetable.

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