Filmkritik

„Barbara“ von Christian Petzold

Wind in der DDR Noch so ein DDR-Film? Zugegeben, die Fakten sind zunächst eindeutig. Barbara (Nina Hoss) will raus aus der DDR. Als die Kinderärztin einen Ausreiseantrag stellt wird sie strafversetzt. Von der Berliner Charité an ein Provinzkrankenhaus, irgendwo kurz vor der Ostsee, die sie hasst. Was sie atmen lässt, ist der Gedanke an ein […]

„Haywire“ von Steven Soderbergh

Eine Frau vermöbelt Hollywood Wer sich mit Mallory Kane (Gina Carano) anlegt, wird platt gemacht. Soviel ist klar. Von der C.I.A. ausgebildet und von ihr verraten jagt die Agentin in „Haywire“ quer durch Europa, um in Barcelona oder Dublin ihre Gegner zu vermöbeln. Ihrem Chef Kenneth (Ewan McGregor) ist sie ein Dorn im Auge und […]

„Überraschungskino“ (März12)

KinoKabaret-Organisator Dave Lojek über „Überaschungsbesuch“: Der Mexikaner Damian und der Franzose Sebastién aus Dresden hatten die Idee, spontan Freunde mit einem Dreh zu überraschen. Sie telefonierten, fuhren nachts umher und fanden willige Mitstreiter. Mit ihrem entwaffnenden Charme gelingt den beiden Freunden oft Unterhaltsames. Kino Gieno liegt mir persönlich sehr am Herzen und ist inzwischen ein […]

„Die Eiserne Lady“ von Phyllida Lloyd

Überangst vor dem Erzfeind Das Problem an Filmen in denen Meryl Streep eine tragende Rolle spielt, ist, dass andere schauspielerische Leistungen eigentlich nur nebenher ablaufen. Selten kommt da was aufeinander zu und noch seltener hat man als Zuschauer den Eindruck, dass sie in einem Ensemble agiert. Besonders offensichtlich wurde das in jüngster Vergangenheit bei Produktionen […]

“König des Comics” von Rosa von Praunheim

Es kann nur mit Gold enden Normalerweise zertrümmern Rosa von Praunheims Filme mit Genuss das Ersuchen von Zartgefühl in einer bürgerlichen Gesellschaft. Sie sind konvulsivisch, schrill, maßlos und verdammt schwul. Dabei scheint Praunheim dem Manierismus zu fröhnen wie die Heten dem Mammon. Doch gehen wir mit etwas Fingerspitzengefühl an diesen Begriff heran – er eignet […]

„Rodicas“ von Alice Gruia

Mädchenfreundschaft unter Großmüttern Am Anfang von „Rodicas“ üben die beiden gleichnamigen Freundinnen – die beiden Ende Achtzig sind – den Auftritt vor der Kamera. Wieder und wieder lässt Regisseurin Alice Gruia die beiden langsam eine Treppe hinauf gehen, bis sie schließlich zufrieden ist. Der Zuschauer dieser Selfmade-Doku muss nicht nur in dieser Eingangsszene Geduld mitbringen. […]

„La chispa de la vida“ von Alejandro de la Iglesia

Janusköpfige Kunst Fassungslos starrt der Museumsdirektor auf ein Bild, das Francisco de Goya entworfen haben könnte. Was der Direktor in Alejandro de la Iglesias „La chispa de la vida“ sieht, ist ein leblos wirkender Körper. Es ist Roberto (Jose Mota), der mitten im gerade wiedereröffneten antik-römischen Amphitheater liegt. Wie ein blutender Jesus ist Roberto aufgebahrt, […]

„Rentaneko“ von Naoko Ogigami

Katzenvermietung Das Unbehagen gegen Nähe und die gleichzeitige Sehnsucht nach Geborgenheit ist eine Grundvorraussetzung, um eine Katze als Haustier zu präferieren. Wenn man einen Menschen nicht nach den Themen, mit denen er sich beschäftigt, beurteilt, sondern nach den Mitmenschen, die in seinem Leben fehlen, wird man einräumen müssen, dass eine Katze als Wegbegleiter eine völlige […]

„Das Meer am Morgen“ von Volker Schlöndorff

Eine weitere moralische Position „Wer immer Europa-müde ist, sollte sich daran erinnern, wo wir herkommen,“ sagt Volker Schlöndorff, der nach Kriegsende in der Gegend zur Schule ging, wo am 22. Oktober 1941 der 17 Jahre alte Guy Môquet zusammen mit über zwanzig Mithäftlingen von deutschen Soldaten erschossen wurde. Guy Môquet, dieser Name wird als französisches […]

„Everybody in Our Family“ von Radu Jude

Grenzgehen zwischen Liebe und Hass Paare lernen sich immer zweimal kennen, am Anfang und am Ende der Beziehung. Während man beim Verlieben oft nur die schönen und angenehmen Seiten des Anderen zu sehen bekommt, kann eine Trennung manchmal ganz schön hässlich werden, vor allem, wenn das Ende des Zusammenseins nicht im gegenseitigen Einvernehmen beschlossen wird. […]

„A moi seule“ von Frédéric Videau

Domestizierung eines Menschen Ein entführtes Mädchen, dem nach jahrelangem Aufenthalt im Haus ihres Entführers die Flucht gelingt. Das klingt nach dem Fall der 2006 geflohenen Österreicherin Natascha Kampusch. Regisseur Frédéric Videau bestreitet, dass sein „A moi seule“ („Coming Home„) Ähnlichkeiten aufweise oder er gar vom schrecklichen Schicksal Kampuschs inspiriert sei. Eine Sicht, die der Franzose […]

„Dictado“ von Antonio Chavarrías

Die Angst vor dem Kind Mario steht wie benommen im Badezimmer, während seine Tochter Julia in der Badewanne sitzt. Ängstlich schaut das Mädchen zu Mario auf, während der sich mitsamt seiner Hose zur Tochter in die Badewanne setzt. Ein kurzes Knacken, Marios Gesicht verharrt, die Kamera fährt zurück und  zeigt ein Gemisch aus Blut und […]

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