Filmkritik

„Rodicas“ von Alice Gruia

Mädchenfreundschaft unter Großmüttern Am Anfang von „Rodicas“ üben die beiden gleichnamigen Freundinnen – die beiden Ende Achtzig sind – den Auftritt vor der Kamera. Wieder und wieder lässt Regisseurin Alice Gruia die beiden langsam eine Treppe hinauf gehen, bis sie schließlich zufrieden ist. Der Zuschauer dieser Selfmade-Doku muss nicht nur in dieser Eingangsszene Geduld mitbringen. […]

„La chispa de la vida“ von Alejandro de la Iglesia

Janusköpfige Kunst Fassungslos starrt der Museumsdirektor auf ein Bild, das Francisco de Goya entworfen haben könnte. Was der Direktor in Alejandro de la Iglesias „La chispa de la vida“ sieht, ist ein leblos wirkender Körper. Es ist Roberto (Jose Mota), der mitten im gerade wiedereröffneten antik-römischen Amphitheater liegt. Wie ein blutender Jesus ist Roberto aufgebahrt, […]

„Rentaneko“ von Naoko Ogigami

Katzenvermietung Das Unbehagen gegen Nähe und die gleichzeitige Sehnsucht nach Geborgenheit ist eine Grundvorraussetzung, um eine Katze als Haustier zu präferieren. Wenn man einen Menschen nicht nach den Themen, mit denen er sich beschäftigt, beurteilt, sondern nach den Mitmenschen, die in seinem Leben fehlen, wird man einräumen müssen, dass eine Katze als Wegbegleiter eine völlige […]

„Das Meer am Morgen“ von Volker Schlöndorff

Eine weitere moralische Position „Wer immer Europa-müde ist, sollte sich daran erinnern, wo wir herkommen,“ sagt Volker Schlöndorff, der nach Kriegsende in der Gegend zur Schule ging, wo am 22. Oktober 1941 der 17 Jahre alte Guy Môquet zusammen mit über zwanzig Mithäftlingen von deutschen Soldaten erschossen wurde. Guy Môquet, dieser Name wird als französisches […]

„Everybody in Our Family“ von Radu Jude

Grenzgehen zwischen Liebe und Hass Paare lernen sich immer zweimal kennen, am Anfang und am Ende der Beziehung. Während man beim Verlieben oft nur die schönen und angenehmen Seiten des Anderen zu sehen bekommt, kann eine Trennung manchmal ganz schön hässlich werden, vor allem, wenn das Ende des Zusammenseins nicht im gegenseitigen Einvernehmen beschlossen wird. […]

„A moi seule“ von Frédéric Videau

Domestizierung eines Menschen Ein entführtes Mädchen, dem nach jahrelangem Aufenthalt im Haus ihres Entführers die Flucht gelingt. Das klingt nach dem Fall der 2006 geflohenen Österreicherin Natascha Kampusch. Regisseur Frédéric Videau bestreitet, dass sein „A moi seule“ („Coming Home„) Ähnlichkeiten aufweise oder er gar vom schrecklichen Schicksal Kampuschs inspiriert sei. Eine Sicht, die der Franzose […]

„Dictado“ von Antonio Chavarrías

Die Angst vor dem Kind Mario steht wie benommen im Badezimmer, während seine Tochter Julia in der Badewanne sitzt. Ängstlich schaut das Mädchen zu Mario auf, während der sich mitsamt seiner Hose zur Tochter in die Badewanne setzt. Ein kurzes Knacken, Marios Gesicht verharrt, die Kamera fährt zurück und  zeigt ein Gemisch aus Blut und […]

„Death Row“ von Werner Herzog

Opfer und Täter Fünf Menschen irgendwo zwischen Leben und Tod. Eingezwängt in eine Gefängniszelle. In einem tristen Klotz aus Beton. Fenster. Stacheldraht. Karge Wände und am des Ganges die unentrinnbare Gewissheit, in jeder Sekunde des verbleibenden Lebens der Hinrichtung durch eine Giftspritze entgegen zu sehen. Werner Herzogs neue Dokumentation ist ein Film über fünf Insassen […]

“Dollhouse” von Kirsten Sheridian

Austauschbar sein Dalkey, Dublin – eine Gruppe von Tweentie-Somethings bricht in einer Upper-Class-Wohnung ein und benutzt diese als Partywiese. Nach der ersten Einstellung denkt man sich nicht wesentlich mehr als „Ach nö, nicht noch ein Trainspotting-Abklatsch„. Doch irgendwie schafft es Kirsten Sheridan in ihrem Film „Dollhouse“ den Zuschauer bei der Stange zu halten. Handkamerafahrten und […]

„Spanien“ von Anja Salomonowitz

Das goldene Glück Wenn ein Film gleich aus mehreren Handlungssträngen besteht, die sich im besten Fall gegenseitig bedingen oder zumindest kreuzen, ist ein gemeinsames Motiv der beteiligten Figuren Gold wert. In „Spanien“ (Anja Salomonowitz) sind alle Charaktere auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück, so unterschiedlich das Ergebnis letzten Endes auch ausfallen mag: Während die […]

„Gravity“ (Feb12)

KinoKabaret-Organisator Dave Lojek über „Gravitiy“ von Filip Piskorzynski: „Diesen Monat feiert sich die Filmszene auf der Berlinale und anderen bedeutenden Festivals wie Clermont-Ferrand oder Rotterdam. Grund genug, einen der beeindruckendsten und meistgesehenen KinoKabaret-Filme vorzustellen, den unsere Filmerbewegung hervorbrachte. Fast eine halbe Million Menschen sah dieses Kunstwerk bereits. Der für seine visuell oppulenten und poetisch-melancholischen Arbeiten […]

„Kriegerin“ von David Wnendt

Rechtsextremismus - Es gibt wohl wenig Themenkomplexe, die derart rabiat aufzeigen (müssen) wieviel Gesellschaft sich in einem Film befindet. Wie neurotisch ist diese Gesellschaft. Wie verarbeitet sie ihre Probleme.

1 108 109 110 111 112 120