Weihnachten im Film oder Weihnachten mit Film: Die Lieblinge der Redaktion


ASTRID (OT: UNGA ASTRID)

„O je, es ist Früchtekuchen-Wetter“– kein Satz verbindet sich für mich so sehr mit Weihnachten wie dieser Satz. Es ist ein Satz aus Truman Capotes „Eine Weihnachtserinnerung“ (1956), eine der schönsten Kurzgeschichten überhaupt. In „Eine Weihnachtserinnerung“ geht es um Buddy und seine alte Verwandte, die irgendwo im ärmlichen, ländlichen Amerika wohnen und mit ihren wenigen Mitteln Päckchen mit Früchtekuchen schnüren. Es ist eine unglaublich sentimentale Geschichte, und zusammen mit den Kindern von Bullerbü hat sie in mir eine große Sehnsucht nach verlassen-verschneiten Landschaften, Plätzchen und genereller die Außenwelt vergessener, weihnachtlich-eingekapselter Idylle erzeugt. Und das, obwohl ich ein Stadtkind bin, dem ständig kalt ist. Eskapismus im besten Sinne eben.

Filmisch war mir die Summe dieser Ingredienzen meist zu überzogen, kitschig oder trostlos, aber dann kam ASTRID (2018), der auf dem Leben der Lieblingskinderbuchautorin Astrid Lindgren beruht. Als klassisches Biopic umgesetzt, greift der Film die Jahre 1925 bis 1930 auf und interpretiert sie etwas freier. Es ist die Zeit, in der Astrid Lindgren als junges Mädchen bei der Lokalzeitung anheuert, sich in den viel älteren Zeitungseigentümer Reinhold Blomberg verliebt und schwanger wird. Aus Familienreputationsgründen – Blomberg ist verheiratet und siebenfacher Vater – ist sie anfangs gezwungen, das Kind zu einer Pflegefamilie zu geben. ASTRID beschreibt dabei nicht nur die hart arbeitende, an strikten Moralvorstellungen festhaltende Familie, sondern auch die Entwicklung und Emanzipation der großen Autorin, die die Sehnsucht nach dem eigenen Kind der Überlieferung nach ihre Bücher stark geprägt hat. Als Astrid überzeugt Alba August, die Astrid Lindgren als einen ungemein zur Leidenschaft und zur Empathie begabten Menschen mit großer Fantasie spielt. Packt mindestens ein Päckchen Taschentücher ein – ich habe ASTRID bisher zweimal gesehen, und habe sie immer alle gebraucht. – Marie Ketzscher

ASTRID (OT: UNGA ASTRID), Regie: Pernille Fischer Christensen, Darsteller*innen: Alba August, Maria Bonnevie, Trine Dyrholm, Magnus Krepper, 2018, 124 Minuten, Streaming auf Amazon, iTunes, Sky Store, maxdome u.a.

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18. Dezember 2020 | In Allgemein

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