1. Mai, Tag der Arbeit: Film- & Serien-Empfehlungen der BFF-Redaktion


BILLY ELLIOT

Darum geht es:
Billy Elliot (Jamie Bell) ist elf Jahre alt und lebt zusammen mit seinem großen Bruder, seiner Oma und seinem Vater in einer Arbeitersiedlung im fiktiven Everington, County Durham. Die Lage zu Hause ist angespannt, nicht nur, weil die Familie den Tod von Billys Mutter noch nicht verarbeitet hat, sondern auch weil Vater und Bruder gemeinsam mit ihren Kumpel streiken. Der Arbeitskampf spaltet nicht nur die kleine Stadt, sondern setzt der Familie auch finanziell zu. Als Billy eines Tages zufällig in die Ballettstunde von Sandra Wilkinson (Julie Walters) stolpert, findet er zum Tanz, oder der Tanz findet ihn und eröffnet nicht nur eine Möglichkeit, sich auszudrücken, sondern auch die Chance auf eine bessere Zukunft.

Was ihr über den Film wissen müsst:
BILLY ELLIOT (Stephen Daldry, 2000 GB) scheut vor der Komplexität und Tragik des Bergarbeiterstreiks nicht zurück. Er macht nicht nur deutlich, in welch existentieller Not sich die Streikenden befinden und wie brutal die Zusammenstöße mit der Polizei sind, sondern spart am Ende auch nicht aus, dass die Gewerkschaft unter dem Druck von Thatchers Politik zusammenbricht. Und trotzdem ist der Film hoffnungsvoll. Am Ende geht es nicht darum, wie technisch perfekt Billy Ballett tanzt, sondern, dass er sich durch den Tanz ausdrückt. Das ist es, was ihm am Ende (SPOILER) die Aufnahme in die Royal Ballet School ermöglicht. Damit ist der Film utopisch, denn er stellt ganz bewusst dar, dass Billys fehlende formale Ausbildung, sein Arbeiterhintergrund, am Ende unwichtig ist. Diese Mischung aus sozialem Realismus und Utopie macht BILLY ELLIOT besonders ergreifend.

Es ist interessant, dass sowohl PRIDE als auch BILLY ELLIOT Geschichten von Solidarität und Hoffnung vor dem Hintergrund des Bergarbeiterstreiks erzählen. Denn der Streik scheiterte am Ende. Thatchers Politik setzte sich nicht nur durch, sondern zerschlug langfristig auch den Einfluss der Gewerkschaften. Das alles, obwohl die Bergarbeiter und ihre Familien den Arbeitskampf selbst ohne Streikgeld durchgehalten und breite Unterstützung aus der Gesellschaft erfahren hatten. Es ist eine Geschichte, die anders hätte ausgehen sollen. Einerseits entziehen sich PRIDE und BILLY ELLIOT diesem Spannungsfeld, indem sie einen anderen Schwerpunkt setzen. Andererseits ist das notwendig, um von diesem Streik zu erzählen zu können, ohne in Verzweiflung abzurutschen. Denn es braucht Optimismus, um auch nach Rückschlägen weiter handlungsfähig zu bleiben und sich für Gerechtigkeit einzusetzen. – TR

Auf Amazon Prime, YouTube und Google Play streambar.

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