Filmkritik

„Du kiffst zu viel“ von Holger Bode (Dez 13)

KinoKabaret-Organisator Dave Lojek über „Du kiffst zu viel„: „Zwei Männer auf der Couch igeln sich in ihren Fantasiewelten aus Pappe ein. Die klassiche postmoderne Gesellschaftsanalyse überrascht mit Selbstironie und Spielfreude! Marten McFly rappt neben seinem Couchgenossen King Shit über Lebensplanungslosigkeit und zitiert ununterbrochen popkulturelle und mediale Phänomene. Erfreulicherweise verzichtet der Film auf jegliche Drogen, obwohl […]

„Blood of my Blood“ von João Canijo

Blut ist das Bindemittel Schlechte zum Teil unasphaltierte Straßen, Graffiti besprühte Mauern, frei stehende heruntergewirtschaftete Häuser, die sich mit garagenartigen Bauten abwechseln. Am Horizont ungemütliche und hastig errichtete Wohnblocksiedlungen. Ein Bilderbuch-Vorort, Heim für die an den Rand Gedrängten. Stille sucht man hier vergebens. Ein schroffer Ton dominiert. Handgreiflichkeiten gehören zum Alltag. Die Gespräche sind kümmerlich […]

„The End of Time“ von Peter Mettler

Eine sträfliche Emanzipation Pünktlich zum Ende des Maya-Kalenders erwartet man einen weiteren Weltuntergangsfilm, doch der sachte Jäger und Sammler Peter Mettler liefert mit „The End of Time“ ein filmisches Essay zu den Begriffen Raum und Zeit ab. Das klingt und ist weniger dystopisch, jedoch muss der Streifen erst einmal sich selbst und dann alle anderen […]

„The Fifth Season“ von Jessica Woodworth und Peter Brosens

Sakrale Lyrik Die Welt ist ein Theater (theatrum mundi). Diese Erkenntnis hatte man bereits im 16. Jahrhundert. Alles Geschehen hat einen Schauwert und dieser ist narrativ reproduzierbar. Bilder, ob gemalte oder fotografierte, Film- oder Theaterbilder,  sind Schauwerte. Sie machen die Geschichten der Welt im Großen wie im Kleinen sichtbar, lassen hineinblicken in globale Lebensläufe und […]

„Bis dass die Nacht uns scheidet“ von Boris Chlebnikow

Heimlicher Star der Russischen Filmwoche Neureiche Russen sind längst kein rein innerrussisches Phänomen mehr. Ob in der Türkei, in den alpinen Skigebieten oder auf den einschlägigen spanischen Urlaubsinseln, die russischen Superreichen haben ihren zweifelhaften Ruf mittlerweile in ganz Europa gefestigt. Einfache Ex-Sowjetbürger, die mit viel Energie und wenig Manieren in kürzester Zeit Industrieimperien errichteten, Menschen […]

„Seven Psychopaths“ von Martin McDonagh

Dick Dale fehlt Man kann über Martin McDonagh sagen was man will. Sicherlich seine Charaktere sind denen eines Quentin Tarantino zum verwechseln ähnlich. Die eigene kreative Rückständigkeit wird in einen Vorsprung verwandelt, indem er einen Plot etabliert, der auf dem Kurschluss von Altbekanntem und guten Schauspielern basiert und es somit erlaubt, eine Eigenständigkeit zu überspringen.  […]

„Killer Joe“ von William Friedkin

Die Moral der Sieger Moralisten, die angesichts des Umfangs und der Schwierigkeiten ihrer Aufgabe von Bescheidenheit ergriffen werden, die die Geringfügigkeit menschlichen Urteilsvermögens erkennen, warnen uns davor, unseren beschränkten Werten universale Gültigkeit beizumessen. Die Trailer, die zu William Friedkins „Killer Joe“ im Internet herumgeistern, führen den Interessierten erst einmal in die Irre. Man sieht coole […]

„The Dynamiter“ von Matthew Gordon

Eine traurige Kindheit ist im Grunde immer ein Musikfilm. Alkoholsüchtige Eltern, kriminelle Geschwister und berufliche Aussichtslosigkeit bieten einfach immens guten Stoff für melancholische oder erbauliche Melodien, inmitten verdreckter Tassen. Das muss nicht gleich im kindlichen Pathos enden wie im grellen Waisenhausmusical „Annie“ (1982), im Grunde muss nicht einmal gesungen werden. Manchmal reicht schon eine wunderbare […]

„Am Himmel der Tag“ von Pola Schirin Beck

Fragiles neues Leben Filme über ungewollte Schwangerschaften folgen häufig einem bekannten Narrationskonzept: Frau lässt sich unbeabsichtigt von Typ XY ein Brot in den Ofen schieben, der aber sowieso ein Arschloch ist und das Kind gar nicht haben will, weshalb alsbald ihr Steuerprüfer, Blumenhändler oder Gynäkologe als Ersatz-Daddy und -Liebhaber einspringen wird und am Ende sich […]

„Cold Blood“ von Stefan Ruzowitzky

Gebäck, Tee und Räucherstäbchen Diejenigen, die sich um das Gebrauchtwerdens willen den Erfordernissen des Zeitgeists andienen, trennt von jenen, die von vornherein in der weisen Erkenntnis, dass sie nicht landen werden und Verzicht leisten, nicht viel – vielleicht nur einige Schneeflocken. Der Lärm von Pistolen und Gewehren vermischt sich mit Addisons (Eric Bana) und Lizas […]

„Puppe, Icke und der Dicke“ von Felix Stienz

Der Weg ist nicht das Ziel Es ist ja nicht immer ratsam, so eine querulante Großstadt wie Berlin – die heute weit mehr gesetzter ist, als sie es in den vergangenen vierzig Jahren war, in den Mittelpunkt einer Erzählung zu setzen. Erst reicht nicht, wenn man nicht genau weißt, worüber man eigentlich sprechen möchte, aber […]

„Dear Mandela“ von Dara Kell und Christopher Nizza

Aufstand der post-apartheid Generation „Niemand kann zur Räumung seines Hauses gezwungen werden, noch darf sein Haus abgerissen werden, ohne eine gerichtliche Anordnung […]. Keine Gesetzgebung kann willkürliche Vertreibungen erlauben.“ (Artikel 26, der Verfassung Südafrikas) Das „Recht auf Stadt“, das in den 60er Jahren schon der Franzose Henri Lefebvre forderte, ist inzwischen zu einer gesamtglobalen Bewegung […]

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