Filmkritik
„Beasts of the Southern Wild“ von Benh Zeitlin
Regisseur Benh Zeitlin ist mit seinem Debütfilm "Beasts of the Southern Wild" ein großer Wurf gelungen. Den Großen Preis von Sundance hat er genau wie die Camera d'Or in Cannes eingeheimst, Kritiker und Publikum bleiben verzückt zurück.
“Hail” von Amiel Courtin-Wilson
Unterdruck Ludwig Wittgenstein schrieb in seinen „Bemerkungen über die Philosophie der Psychologie“: „Vorstellung und Intention. Auch insofern ist vorstellen dem Schaffen eines Bildes zu vergleichen, als man sich nicht den vorstelle, dem das Vorstellungsbild ähnlich ist, sondern den, den man sich vorstellen will.“ Daniel P. Jones spielt in Amiel Courtin-Wilsons Drama „Hail“ nur eine leicht […]
„Neighbouring Sounds“ von Kleber Mendonça Filho
Masters and Servants Wachhunde bellen, Nachtwächter schlafen und Bodyguards können schon mal selbst zur Bedrohung werden. Regiert die Angst, regieren Kontrolle und Überwachung. Brasilien, die ehemalige portugiesische Kolonie hält auch in der Demokratie an ihren antiken gesellschaftlichen Hierarchien fest. Hermetisch abgeriegelt hinter Zäunen, Mauern, vergitterten Fenstern und Türen lebt eine satte Gesellschaft, die ihre materiellen […]
„Du kiffst zu viel“ von Holger Bode (Dez 13)
KinoKabaret-Organisator Dave Lojek über „Du kiffst zu viel„: „Zwei Männer auf der Couch igeln sich in ihren Fantasiewelten aus Pappe ein. Die klassiche postmoderne Gesellschaftsanalyse überrascht mit Selbstironie und Spielfreude! Marten McFly rappt neben seinem Couchgenossen King Shit über Lebensplanungslosigkeit und zitiert ununterbrochen popkulturelle und mediale Phänomene. Erfreulicherweise verzichtet der Film auf jegliche Drogen, obwohl […]
„Blood of my Blood“ von João Canijo
Blut ist das Bindemittel Schlechte zum Teil unasphaltierte Straßen, Graffiti besprühte Mauern, frei stehende heruntergewirtschaftete Häuser, die sich mit garagenartigen Bauten abwechseln. Am Horizont ungemütliche und hastig errichtete Wohnblocksiedlungen. Ein Bilderbuch-Vorort, Heim für die an den Rand Gedrängten. Stille sucht man hier vergebens. Ein schroffer Ton dominiert. Handgreiflichkeiten gehören zum Alltag. Die Gespräche sind kümmerlich […]
„The End of Time“ von Peter Mettler
Eine sträfliche Emanzipation Pünktlich zum Ende des Maya-Kalenders erwartet man einen weiteren Weltuntergangsfilm, doch der sachte Jäger und Sammler Peter Mettler liefert mit „The End of Time“ ein filmisches Essay zu den Begriffen Raum und Zeit ab. Das klingt und ist weniger dystopisch, jedoch muss der Streifen erst einmal sich selbst und dann alle anderen […]
„The Fifth Season“ von Jessica Woodworth und Peter Brosens
Sakrale Lyrik Die Welt ist ein Theater (theatrum mundi). Diese Erkenntnis hatte man bereits im 16. Jahrhundert. Alles Geschehen hat einen Schauwert und dieser ist narrativ reproduzierbar. Bilder, ob gemalte oder fotografierte, Film- oder Theaterbilder, sind Schauwerte. Sie machen die Geschichten der Welt im Großen wie im Kleinen sichtbar, lassen hineinblicken in globale Lebensläufe und […]
„Bis dass die Nacht uns scheidet“ von Boris Chlebnikow
Heimlicher Star der Russischen Filmwoche Neureiche Russen sind längst kein rein innerrussisches Phänomen mehr. Ob in der Türkei, in den alpinen Skigebieten oder auf den einschlägigen spanischen Urlaubsinseln, die russischen Superreichen haben ihren zweifelhaften Ruf mittlerweile in ganz Europa gefestigt. Einfache Ex-Sowjetbürger, die mit viel Energie und wenig Manieren in kürzester Zeit Industrieimperien errichteten, Menschen […]
„Seven Psychopaths“ von Martin McDonagh
Dick Dale fehlt Man kann über Martin McDonagh sagen was man will. Sicherlich seine Charaktere sind denen eines Quentin Tarantino zum verwechseln ähnlich. Die eigene kreative Rückständigkeit wird in einen Vorsprung verwandelt, indem er einen Plot etabliert, der auf dem Kurschluss von Altbekanntem und guten Schauspielern basiert und es somit erlaubt, eine Eigenständigkeit zu überspringen. […]
„Killer Joe“ von William Friedkin
Die Moral der Sieger Moralisten, die angesichts des Umfangs und der Schwierigkeiten ihrer Aufgabe von Bescheidenheit ergriffen werden, die die Geringfügigkeit menschlichen Urteilsvermögens erkennen, warnen uns davor, unseren beschränkten Werten universale Gültigkeit beizumessen. Die Trailer, die zu William Friedkins „Killer Joe“ im Internet herumgeistern, führen den Interessierten erst einmal in die Irre. Man sieht coole […]
„The Dynamiter“ von Matthew Gordon
Eine traurige Kindheit ist im Grunde immer ein Musikfilm. Alkoholsüchtige Eltern, kriminelle Geschwister und berufliche Aussichtslosigkeit bieten einfach immens guten Stoff für melancholische oder erbauliche Melodien, inmitten verdreckter Tassen. Das muss nicht gleich im kindlichen Pathos enden wie im grellen Waisenhausmusical „Annie“ (1982), im Grunde muss nicht einmal gesungen werden. Manchmal reicht schon eine wunderbare […]
„Am Himmel der Tag“ von Pola Schirin Beck
Fragiles neues Leben Filme über ungewollte Schwangerschaften folgen häufig einem bekannten Narrationskonzept: Frau lässt sich unbeabsichtigt von Typ XY ein Brot in den Ofen schieben, der aber sowieso ein Arschloch ist und das Kind gar nicht haben will, weshalb alsbald ihr Steuerprüfer, Blumenhändler oder Gynäkologe als Ersatz-Daddy und -Liebhaber einspringen wird und am Ende sich […]











