Filmkritik
„Julieta“ von Pedro Almodóvar
Ein „realistischer“ Almodóvar Nach der Premiere in Cannes wurde der neueste Streich von Pedro Almodóvar von der Presse als „Geniestreich“ oder „das beste Werk in Almodóvars Karriere“ gepriesen, doch wirkt „Julieta“ vielmehr als ein flaches Selbstplagiat der eigenen älteren Arbeiten. Weiterlesen: Unser Bericht aus Cannes „Zwischen Regen, Terrorangst und Frauenpower“ Die titelgebende Julieta will mit […]
„Café Belgica“ von Felix van Groeningen
Belgische Ballade Nach dem emotionalen Drama „The Broken Circle“ (2012) um ein unkonventionelles Paar, das seine Tochter in ihrem Kampf gegen Leukämie begleitet, geht es im neuen Film des Belgiers Felix van Groeningen erneut um das Thema Familie und intensive Gefühle. Anders als bei seinem Vorgängerfilm greift van Groeningen bei „Café Belgica“ auf eine klassischere, […]
„Henry Gamble’s Birthday Party“ von Stephen Cone
„Hasse die Sünde, liebe den Sünder„ Henry Gamble (Cole Doman) feiert seinen 17. Geburtstag. Zur Pool-Party erscheinen Schulfreunde und Mitglieder der evangelikalischen Gemeinde, die von seinem Vater, einem Pastor (Pat Healy), geführt wird. Sowohl die Gespräche der Jugendlichen als auch die der Erwachsenen kreisen um das Thema Sexualität. Auf beiden Seiten zeigt sich Anspannung, Unsicherheit, […]
„The Lobster“ von Yorgos Lanthimos
Amour Fou In einer Welt, in der das Maß aller Dinge von der gemeinsamen Schnittmenge zwischen Paaren bestimmt wird, regiert ein absurdes Übermaß an Gleichklang. Eine absonderliche Vorstellung von gesellschaftlicher Einheit, die aber durch die vermeintliche gemeinschaftliche Harmonie vor allem Ruhe im Dschungel der Gefühle zu sein verspricht. Yorgos Lanthimos neuer Geniestreich beschreibt eine düstere […]
„Miss Hokusai“ von Keichii Hara
Feuerdrachen und rote Blüten Edo 1814, auf der großen Brücke über den Sumida-Fluss, im Herzen der japanischen Hauptstadt – dem heutigen Tokio -, herrscht ein reges Treiben: Kaufleute und Handwerker, Bauern und Samurai, Kurtisanen und Künstler schieben sich aneinander vorbei. Mittendrin, eine junge Frau im weiß-gemusterten Kimono mit Tusche im Gesicht: Die stolze O-Ei, Tochter […]
„Schau mich nicht so an“ von Uisenma Borchu
Erfrischend und herausfordernd: Uisenma Borchus Spielfilmdebüt Es fängt alles mit einer Begegnung an. Die kleine Sofia (Anne-Marie Weisz) trifft ihre Nachbarin Hedi (Uisenma Borchu). Sie findet Hedi cool und schnell freundet sie sich mit der Erwachsenen an. Das bleibt nicht unbemerkt von ihrer Mutter Iva (Catrina Stemmer), die Sofia alleine erzieht. Sie möchte ihre Nachbarin […]
„En Femme“ von Victoria Scranton (Juni 16)
Unser Open Screening-Kurzfilm des Monats Juni 2016 "En Femme" von Victoria Scranton.
„JeruZalem“ von Yoav & Doron Paz
Apokalypse in der heiligen Stadt Zwei junge Frauen wollen den Alltagsstress hinter sich lassen und reisen für einen Tapetenwechsel nach Israel, um sich in Tel Aviv ins als aufregend angepriesene Nachtleben zu stürzen. Im Flugzeug treffen sie auf einen jungen Mann, der sie überredet, erst einmal ein paar Tage in Jerusalem zu verbringen. Nur kurze […]
„Müllhubschrauber“ („Sophelikoptern“) von Jonas Selberg Augustsen
Bruegel trifft Jarmusch in Schweden Jonas Selberg Augustsens Langfilm-Debüt „Müllhubschrauber“ (aka „Sophelikoptern„, „The Garbage Helicopter„) erwischt den Zuschauer erst leise und langsam, dann aber mit voller Wucht. Diese schwedische Version von Jim Jarmuschs „Stranger than Paradise“ ist eines der brillantesten Werke der letzten Dekade. Jonas Selberg Augustsen selbst bezeichnet seinen Film als „A Tribute to […]
„Everybody Wants Some!!“ von Richard Linklater
Manhood Nach 23 Jahren kehrt er in sein Metier zurück. Richard Linklater wagt nach dem internationalen Kinoerfolg von „Boyhood“ die Rückbesinnung auf seine Frühwerke. Der neue Film „Everybody wants some!!“ greift auf Linklaters bekannte Passion für Collegefilme zurück und schließt an seinen dritten Film „Dazed und Confused“ aus dem Jahr 1993 an. Er selbst bezeichnet […]
„Green Room“ von Jeremy Saulnier
Exitgame in der grünen Hölle Sie sind jung, planlos und abgebrannt und eigentlich wollten sie für ein bisschen Benzingeld einfach nur einen kleinen Gig spielen und dann wieder abhauen. Stattdessen haben sie sich jetzt im Backstage einer Kneipe irgendwo in den nordamerikanischen Wäldern verbarrikadiert, mit im Raum: eine Leiche und zwei Nazis. Bei „Green Room“ […]
„Die Kommune“ von Thomas Vinterberg
Vergänglichkeit Ob nun „Die Kommune“ tatsächlich als eine Art Fortsetzung von seinem Dogma-Werk „Das Fest“ gelesen und verstanden werden kann, wie Regisseur Thomas Vinterberg über die Verwandtschaft seiner beiden Filme meinte, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall arbeitet der mit Preisen hochdekorierte dänische Filmemacher wieder mit seinen Protagonisten Ulrich Thomsen und Trine Dyrholm zusammen. Dyrholm […]
